Auch wenn die Happenings stets am Samstagmorgen stattfinden – da hat man ja in den Augen der staatlichen Erziehungsorgane nichts Besseres vor, auch am Vorabend nicht, schliesslich ist man Vater. Auch in aller Herrgottsfrühe. Ich stand also um sechs Uhr auf und kochte Kaffee für 30 Erwachsene, wozu ich mich mit einem entsprechenden Eintrag in der «Mitbringliste für Eltern» verpflichtet hatte.

Ich hätte lieber den Käse mitgebracht. Oder die Fleischplatte. Oder die Konfitüre. Aber da waren andere schneller. Zudem hatte an Kaffee niemand gedacht, was mir angesichts der Terminvorgabe rätselhaft erschien. Und nicht zuletzt ist Kaffee für mich, was für die Durchschnittsschwiegermama Sven Epiney sein soll: ein richtiger Aufsteller.

Nachdem ich fünf Liter Kaffee gebrüht und in zwei stattliche Thermoskrüge abgefüllt hatte, gings zum Treffpunkt Kindergarten, von dort zum Bus und zuletzt zehn Minuten zu Fuss in den Wald. Während all dieser Zeit liess ich die beiden Krüge nicht aus den Händen. Es war mein persönliches Statement zum Thema «Morgenstund hat Gold im Mund». Das Sprichwort war mir übrigens durch den Kopf geschossen, als ich schlaftrunken und regungslos dem schwarzen Gold beim Aus-der-Maschine-Blubbern zugesehen hatte. Minutenlang. Ich ahnte ja nicht, welch prophetische Warnung sich hinter dem Gedankenblitz verbarg. Als ich dessen gewahr wurde, sass ich bereits in der Falle.

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Im Kreis der Verdammten

Wie so oft bei derartigen Veranstaltungen waren wir Eltern zusammen mit den Kindern in den «Kreis» befohlen worden, den unheilvollen. «So, Chinde, jetzt singed mer es Liedli.» An den Songtitel kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber das Lied handelte von Spatzen. Oder von einem anderen Vögeli, das irgendwo auf einem Stängeli zwitschert und irgendwann, weiss der Kuckuck warum, irgendwohin fliegt.

Jedenfalls mussten wir beim Stichwort «Papi, flüüg uus!» den Kreis der Verdammten verlassen und mit den Armen wedelnd durchs Laub hüpfen wie angeschossene Hühner. Doch das war nicht mal das Schlimmste. Von wegen Morgenstund hat Gold im Mund – die Kindergärtnerin, die das Lied angezettelt hatte, schrie dieses auch noch lauthals durch den Wald auf einer Frequenz gerade noch knapp unterhalb des Ultraschallbereichs. Das Sendungsbewusstsein von Pädagoginnen im «Gspüürsch mi»-Fieber lässt mich immer wieder erschaudern. Bis zu unserer Landung dauerte es gefühlte 30 Minuten. Danach brauchte ich erst mal einen Kaffee.