Meine Rolle als «Mister Konsequent» habe ich mir nicht ausgesucht, sie wurde mir bei meiner Vaterwerdung in die Wiege gelegt – wenn man das Ehebett mal als Wiege bezeichnen möchte. Zum Stillen holte Frau unseren Sohn stets ins Bett, legte sich auf die Seite und schlaftrunken ihre Brüste frei, schlief wieder ein, derweil Sohn rücklings sog und nuckelte, bis er satt war und sanft wegdriftete.

Obwohl ich das Dasein als Teil eines Dreiergespanns durchaus kuschelig fand, fühlte ich mich irgendwann im Ehebett doch als fünftes Rad am Wagen. Zumal Sohn – das zeigte sich früh – eher zu den unruhigen Schläfern gehört, die um fremde Glieder ranken wie wucherndes Efeu. Nicht selten wachte ich deshalb auf und hatte seine Finger in der Nase, seine Zehen im Nacken oder seine vollen Windeln im Gesicht. Dass es sich schlecht schläft im albtraumhaften Empfinden, man sei bei vollem Geschäftsgang ver­sehentlich in einem Toi-Toi-Häuschen eingenickt, muss ich nicht weiter ausführen. Und so wusste ich bald: Wenn du jetzt nicht konsequent bist, wirst du in deinem angestammten Revier so schnell nicht ­wieder das Sagen haben. Also: Er oder ich. Und so transportierte ich Sohn nach erfolgter ­Fütterung auf dem Luftweg zurück in sein Bettchen.

Nun hatte mein Konsequentsein natürlich die nicht wirklich angenehme Konsequenz, dass ich alle gefühlten 20 Minuten später auch wieder für Sohns Rückflug an die mütterliche Tränke zuständig war. In derlei Beziehungsangelegenheiten ist Frau ja konsequent. Jedenfalls überliess sie mir von da an – vermeintlich beeindruckt ob meiner Qualität als konsequenter Vater – konsequent den Vortritt, wenn es darum geht, gegenüber den Kindern konsequent sein zu müssen.

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Nun, ich bin nicht undankbar, wenn dies auch bedeutet, ab und an die familiäre Arschkarte zu ziehen. Wenigstens muss ich nicht wie so viele Eltern in meinem Umfeld gleich die bombastische Dynamitstange zücken, die zu zünden sich Eltern ja doch selten trauen, wenn die Kleinen mal wieder bocken. «Jetzt reisst euch zusammen, oder wir gehen sofort nach Hause!» Pah! Da muss man sich doch nichts vormachen; die Kinder wissen doch so gut wie wir, dass es zu Hause bei sommerlichen Temperaturen mit beleidigten Kindern gar unlustig zu- und herginge, die Drohgebärde also nur ein Witz sein kann. Ne, ne! Konsequent sein in der Erziehung darf nicht zur Konsequenz haben, als ­Eltern sich konsequent selbst bestrafen zu müssen. Dann doch lieber vor ihren Augen allein eine Glace schlecken. Man kann ja nichts dafür, wenn sichs die Kleinen verscherzt haben. Oder ist das zu fies?

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