Weil sich das eine, das Sich-schlafend-Stellen, mit dem anderen, dem Fernsehen, nun aber schlecht verträgt, entwickelte ich eine Technik, die ich als den Einäugig-Fern-­Seher bezeichnen würde. Nach dem Guguseli-Prinzip («Ich seh dich nicht, du siehst mich nicht») kniff ich jeweils ein Auge zu, während ich mit dem anderen Dinge schaute, die ich nicht hätte sehen dürfen. So glaubte ich mich clever durchs Vor­abend­programm zu mogeln. Einmal schaffte ich es bis zur Krimiserie «Die Strassen von San Francisco».

Natürlich weiss ich heute, dass das Ganze ein Trugschluss war. Denn so wie meiner Oma mein listiges Einauge sicher nicht verborgen blieb, so wenig vermag heute mein Sohn das Gemüse unter den Nudeln, den Kaugummi unter der Zunge oder die legere Einzahn-Putztechnik vor mir zu verbergen – auch wenn er sich bei Letzterem neuerdings mit dem Rücken zu mir hinstellt. Bewegt sich der Arm nicht, bewegt sich auch die Bürste nicht, folglich schrubbt das Ding an Ort und Stelle. Der entsprechende Fingerzeig lässt Fin jedoch unberührt. Nicht etwa, weil ihm der logi­sche Geist fehlen würde. Es geht ihm bei diesen Spielchen offenbar ums Prinzip.

«F-i-i-n, richtig putzen!» – «Mach ich ja!» – «Nein, ich sehe es doch!» Nächster Abend: Fin «putzt» jetzt hinter dem Duschvorhang. «F-i-i-n, richtig putzen!» – «Mach ich ja!» – «Nein, sonst würdest du dich nicht ver­stecken!» Am Abend darauf: Fin scheint zu kapieren. «F-i-i-n, geht ja!» – «Natürlich!» Später stellte sich heraus, dass er nun halt die Zahnpasta «vergessen» hatte.

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Nun könnte man sagen: Zum Zahn­teufel mit ihm, wer nicht lernen will, muss leiden. Stimmt, ich tat das damals auch – und machte nach dem Krimi kein Auge mehr zu, weil jeder Schatten zum Mörder mutierte. Doch meine Oma kostete das Wegschauen höchstens ein müdes Lächeln, mich jedoch eine Stange Geld für Fins Zahnprothesen. Nun, vielleicht gibt es ja einen Krimi, bei dem das Opfer mit einem Bohrer gepeinigt wird? Vielleicht könnte Fin ja mal ein Auge darauf werfen?