In Sachen Wintersport zählt meine Tochter unter den Feuerwerkskörpern bestenfalls zur Klasse der fiesen Luftheuler: Je mehr man sie anfeuert, desto ohrenbetäubender wird das Geheul. Oder die kleine Bohne macht gleich von Anfang an eine auf Blindgänger.

Nun ist es nicht so, dass sich meine Tochter grundsätzlich nicht gern auf die Bretter stellen liesse. Nur ist sie damit dann auch schon zufrieden. Irgendwelche Ambitionen? Fehlanzeige! Am liebsten macht sie sich breit zwischen meinen Beinen, hängt sich in meine Arme und lässt sich völlig teilnahmslos durchs Alpenpanorama gondeln. Sie fährt nicht Ski, der Ski fährt mit ihr.

Und ich mach den Bückling. Und sie geniesst das. Dass ich es schon nach zwei Abfahrten jeweils mit den Bandscheiben zu tun bekomme, scheint sie nicht zu kümmern. Wieso auch? Schliesslich hatte sie nie um irgendwelche Wintersportutensilien gebeten, das Christkind hat ihr die Dinger einfach ungefragt unter den Weihnachtsbaum gelegt. Wie übrigens auch den Steuerbob, den sie genauso passiv zu geniessen pflegt.

Ich quälte mich also mal wieder mit der Tochter zwischen den Beinen den Schlepplift hoch, den Bügel fies in der Kniekehle, als die Maschinen plötzlich stoppten. Das ausgerechnet am steilsten Stück, hinter der letzten Kuppe, vor der letzten Fahrt. «Musst schauen», meinte meine Frau, «die haben uns vergessen und den Lift abgestellt.» Ich beschwichtigte sie und nutzte die Pause zum Lockern meiner Glieder. Die Minuten vergingen. Irgendwann rief auch ich ein «Hall-o-o» in den aufziehenden Nebel. Dann endlich: Es ging weiter.

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Über der Kuppe sahen wir den Grund für den abrupten Stopp – und wie ein paar Leute gerade unseren Sohn aus dem Tiefschnee buddelten. Wie uns ein nachhaltig bleich gewordener Bahnangestellter erklärte, hatte sich der Bügel beim Abgeben offenbar in der Jacke unseres Sohnes verfangen und ihn unsanft etwa fünf Meter über die Absperrung hinauskatapultiert und ihn dann noch fünf weitere Meter durch den eiskalten Kakao gezogen. Seine Knochen waren zum Glück heil geblieben. Was man von seiner Stimmung nicht behaupten konnte. Bei der folgenden Abfahrt hatte ich deshalb einen neuen Passagier zwischen meinen Beinen.

Die Begriffe Schneekanone und Skirakete hatten zum Ende des Skitags eine ganz neue Bedeutung bekommen. Genauso wie der Begriff Skiferien. Unter Ferien versteht der Duden «zusammenhängende Freizeiten». Herr Duden hatte bestimmt keine Kinder.