Und schon – peng! – war sie da, die inner­familiäre Waffendiskussion. Als Eltern hat man ja ständig die Sorge, beim Kind würde tiefenpsychologisch irgendetwas aus den Fugen geraten, wenn es zu früh mit diesen Höllendingern herumspielt. Waffen: ein heisses Eisen.

Eine «Chäpslipistole» mit Knalleffekt und Schwarzpulverdampf kam folglich nicht in Frage – noch nicht. Also einigten wir uns auf eine rote Wasserpistole. Fin war darüber wenig begeistert. Wenn ich mich recht erinnere, war «babylig» das Adjektiv, das ihm dazu spontan in den Sinn kam. Zumal die Wasserpistole witterungsbedingt nur warme Luft produzierte.

Kein Peng, kein Wasser, kein Garnichts; um dem Babyspielzeug trotzdem etwas Gefährliches, etwas Provozierendes zu geben, begann er, bewegte Objekte ins Visier zu nehmen. Er zielte auf vorbeifahrende Autos, Hunde – und leider auch auf Menschen. Peng! «Fin, man zielt nicht auf Leute!», sagte ich. «Ziel doch auf Verkehrsschilder.» Er verdrehte nur die Augen.

Zum Glück gabs da noch dieses «Star Wars»-Laserschwert, das er von einem Kindergarten-Gspäändli ausgeliehen hatte. Das macht wenigstens «wusch-sch!», wenn man es hin- und her­bewegt. Doch auch dieser Effekt hatte seinen Reiz schnell verspielt. Und so begann Fin, mit dem Ding auf andere Kinder einzuprügeln. Nicht stark, aber doch so, dass das Schwert nach dem dritten «Missbrauch» in der Tasche ver­schwand. Fins Laune war im Keller. Im ­Nachhinein irgendwie verständlich. Zumal er mich am andern Morgen erwischte, als ich das gleiche Schwert an Mamis Hintern ausprobierte. Nur zum Spass. Fin heulte auf: «Du darfst, ich nicht!», schrie er. Ich grummelte ins Frühstücksei: «Ich bin dein Vater.»

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