Ein Gespräch von Mann zu Mann – am besten mit einem Schwulen. Das sei jetzt nötig, habe ich in der letzten Kolumne geschrieben. Und damit mein Freund mir nicht vorhalten kann, ich hätte das Problem mit seinem mädchenkleiderliebenden Sohn nicht mit dem nötigenRespekt behandelt, habe ich nicht irgendeinen Schwulen zu Rate gezogen, sondern Ricco Müller, den schönsten Schwulen der Schweiz. Hier das Gesprächsprotokoll:

Lieber Herr Müller, war der Mister Gay schon als Baby gay? – Woher soll ich das wissen? Aber vermutlich befand sich mein schwules Ego damals noch im Entwicklungsstadium. – Haben Sie gerne Mädchenkleider getragen? – Bloss nicht! Aber ich erinnere mich, dass ich mal mit der Schwester in Mädchenbadehosen posierte. – Aha, also doch! – Ach was. Heute stehe ich jedoch auf High Heels, aber nur bei Frauen. Selber anziehen würde ich die nie. – Mögen Sie denn wenigstens die Farbe rosa? – Definitiv nicht. – Sie machen es mir nicht gerade einfach. – Tja. – Ist die Vorstellung, Schwule hätten als Kind gerne Mädchenkleider getragen, ein Klischee? – Ganz bestimmt. Auch Hetero-Männer tun das ja gerne. Man denke an die Transvestiten. Die sind nicht alle schwul. – Haben Ihre Eltern immer schon gedacht, der Ricco wird mal homosexuell? – Nein. Als ich mich mit 21 outete, war das eher ein Schock für sie, vor allem für meine Mutter. Sie wollte unbedingt Enkelkinder. – Mittlerweile hat sie Sie akzeptiert? – Ja, sie gibt mir heute die gleiche Geborgenheit wie vor dem Coming-out. – Was würden Sie Max Vater raten, der sich Sorgen um die sexuelle Orientierung seines Sohnes macht? – Er soll ihn so lieben und akzeptieren, wie er ist. Auch wenn er später mal ins Ballett gehen will, wäre das okay. – Ich werde es ihm ausrichten. Ich bezweifle aber, dass er das gerne hören wird. – Sagen Sie ihm, der Tipp kam vom Mister Gay. – Tja, ob er ihn dann besser findet, bezweifle ich ebenfalls...