In dieser Funktion statte ich den «Schwulen» – so nennen wir das junge, dauerfrischverlieb­te Pärchen, weil sich keiner von uns chau­vinistischen Heteros im Haus ihre Namen merken kann –, diesen Schwulen statte ich also ab und zu einen Besuch ab. Ich entlüfte die Heizung. Wechsle Abluftfilter. Repariere die Klingel. Nebenbei schaut man sich auch ein wenig um. Man sieht: Hier haben sich zwei Gleichgesinnte gefunden und sich ein nettes, mit allerlei Annehmlichkeiten ausgestattetes Nest gebaut. Und: Geld scheint nicht ihr vorrangiges Problem zu sein.

Quelle: Stock-Kollektion colourbox.com

Nun bin ich ein grosszügiger Typ. Missgünstig zu sein ist nicht meine Art. Kinderlose Doppelkarrierepaare haben sich ihren Wohlstand schliesslich so verdient wie wir Heteroeltern unser finanzielles Polster… ähm, Pölsterchen. Keiner hat uns gezwungen, eine Familie zu gründen und das Geld anderweitig loszuwerden als für Flachbildschirme, Designermöbel und Städtereisen.

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Auch diese Aura des Gleichgesinntseins, die dieses Schwulenpaar ausstrahlt, erfüllt mich nicht mit Neid. Ich und meine Frau haben auch Gemeinsamkeiten. Okay, die beiden gehen samstags zusammen im Wald biken, wenn sie nicht bereits freitags mit ­ihrem durchaus netten BMW ins Wellnessweekend abgerauscht sind. Sie haben schöne Bikes, mit Shimano irgendwas und dem ganzen Schnickschnack. Will ich gar nicht bestreiten. Aber mein Velo ist ja auch – nett. Manchmal gehen sie auch gemeinsam Tennis spielen oder golfen oder auch bloss spazieren. Wir tun das aber auch – ab und zu. Mit Kindern kann man schliesslich auch Tennis spielen, die haben sogar «schampar de Plausch» daran. Und wenn das schwule Pärchen am Sonntagnachmittag im Kaffee gegenüber «frühstückt», essen sie auch keinen Kaviar, sondern Brötchen mit frischer Butter wie wir. Einfach ein paar Stunden später. Nach ein bisschen mehr Schlaf.

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Allenfalls gar verkatert. Stellen Sie sich vor! Nein, nein, ich möchte nicht mit meinem besten Kumpel verheiratet sein. Die gleichen Hobbys, die gleichen Laster, die gleichen Lüste – wie anstrengend.

Wie gesagt, ich bin nicht neidisch. Wirklich. Nicht neidisch.