Eines Tages stellt sich im Leben eines Mannes, der die Frucht seiner Lenden nicht nur Toilettenartikeln von Hakle oder Durex anvertraut hat, die Frage: Soll aus den Kindern mal was werden oder nicht? Und natürlich wird er die Frage mit Ja beantworten – sonst hätte er die Frucht ja ebenso gut in den Wind spedieren können. Logisch, oder?

Und somit stellt sich für diesen Mann irgendwann auch die Frage: Welches Instrument soll es denn sein, das dem Nachwuchs die Hirnwindungen stimuliert, die Feinmotorik trainiert? Denn ohne musikalische Früherziehung – so zumindest suggerieren einem allzeit gescheite Menschen – scheinen nur noch Unkraut und Kakteen zu gedeihen.

Ich persönlich habe da zwar meine Zweifel. Schliesslich kann ich nicht mal im Rhythmus auf die Ovomaltine-Büchse trommeln und bin trotzdem... wie soll ich sagen... nicht gänzlich... ach, lassen wir das! Aber bei der Erziehung kann man sich bekanntlich nicht nur von persönlichen Befindlichkeiten leiten lassen. Zudem nehme ich die musikalische Früherziehung der Kinder lieber früh genug in die eigenen Hände, bevor irgend so eine in Batik gehüllte und in Jesuspantoffeln daherschwebende Rhythmus-Gumsel meinem Sohn was flötet von Blockflötenunterricht oder so. Die Tochter ist zum Glück noch zu jung für derartige Verführungen.

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Die Fischstäbchen sprechen gegen die Gitarre

Am liebsten sähe ich meinen Sohn an der Gitarre. Ein cooles Instrument, das seinem Spieler in jeder Lebenslage eine passende Ausdrucksmöglichkeit bietet – während der melan-cholischen Bob-Dylan-Depression zu Beginn der Pubertät genauso wie in der stinkefingrigen The-Clash-Phase zu deren Ende. Selbst zur grauen «Sydefädeli»-Zeit lässt sich noch gemütlich klimpern mit den Kastelruther Spatzen im Ohr.

Doch angesichts seiner ziemlich ungelenken Bemühungen, an sich handlichen Fischstäbchen mit Messer und Gabel beizukommen, zweifle ich, ob Gitarre wirklich zu ihm passt. Vielleicht doch lieber Trompete? Gott behüte! Er übt gerade das Pfeifen mit vier Fingern, nachdem er selbiges bereits mit einem, zwei und drei Fingern durchexerziert hat. Bei einem Blasinstrument bisse der noch über – und das will ich nicht riskieren. Auch aus eigenem Interesse. Vielleicht also sollte ich einfach ihm die Wahl überlassen? Welches Instrument würde er wohl wählen? Hm. Ich glaube, ich lass das mit der musikalischen Früherziehung. Ich bin ja schliesslich auch... ich meine... wie soll ich sagen... ach, lassen wir das.

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