Sie müssen entschuldigen, ich bin mies gelaunt. Man(n) stelle sich vor: Gestern spielte MEINE Mannschaft im Uefa-Cup gegen die AC Milan. Ein Highlight im Leben eines Fussballfans - und ein Highlight, das ich leider verpasst habe.

Dabei hatte ich mich extra zwei Tage vor Anpfiff «informiert». Calcio? Milan - Zurigo? Vedere? Televisione? Comprende? «Claro, in the Bar akross the stritti!» Superamente, dachte ich und war die folgenden zwei Tage richtig nett zu meinen Liebsten; ich baute Sandburgen und putzte Hintern, als täte ich nichts lieber. Kurz: Ich verdiente mir hart den freien Fussballabend in einer Bar in der Stadt mit mir, mit mir ganz allein und dem Fernsehsender Rete 4.

Am entscheidenden Abend stand ich akross the stritti jedoch vor verschlossenen Türen. Niente problema, denn zwei Lokale weiter lief bereits der Fernseher. Milan - Zurigo? «Sì», sagte der Ragazzo hinterm Tresen. Na dann: Una birra, per favore! - Natürlich hatte ich mich zu früh gefreut. Die ersten Spielminuten waren bereits verstrichen, als der Barman noch immer die 999 Pay-TV-Sender erfolglos rauf und runter zappte und was faselte, was man wohl als «Scheiss-Sky-TV» übersetzen könnte. Auf ex und arrivederci! Mein Problem: Nun war niente Bar mehr weit und breit.

Die erste Halbzeit war fast zu Ende, als ich, fluchend durch die Gassen irrend, einen Blick wagte in ein Wohnzimmer, in dem der TV lief - und nicht nur das: Milan gegen Zürich, kein Zweifel, trotz Fliegengitter und Spitzenvorhang. Weil ich schlecht klingeln und was von «Soi Zurigo, Baby e Mama in casa, vedere calcio tre importante» erzählen konnte, schaute ich das Spiel aus der Spannerperspektive - und fühlte mich entsprechend mies. Zur Pause ging ich. Der nächste Tipp kam vom Glaceverkäufer: Bar Pedro am Strand. Ich rannte los.

Bei Pedro lief dann tatsächlich Fussball, allerdings Dortmund gegen Udinese. In der vordersten Reihe grölten deutsche Touristen, die sich kaum für Milan - Zurigo hätten begeistern lassen. Ich gab auf. Una birra grande, per favore!

Und nun das Beste - kein Witz: Zu Hause meinte meine Frau: «No es spannends Mätschli gsii, hä?» Sie sah das Spiel auf Rete 4. Verfluchtes Bezahlfernsehen! Zur Hölle mit Sky.

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