Söhne brauchen Superhelden. Meiner braucht ganz viele. Mich zum Beispiel. In den Familienferien in Thailand hatte ich mal wieder Gelegenheit, meine Superkräfte so richtig zur Geltung zu bringen - egal ob beim Schnorcheln, beim Kokosnüsseknacken, Elefanten- oder Wellenreiten... Papa hier, Papa da, Papa mach noch mal. Auf Fins Superheldenskala kam ich schon nach wenigen Urlaubstagen gleich nach Spider-Man. Ohne Scheiss.

Natürlich fühlte ich mich darob mächtig gebauchpinselt - anfänglich zumindest. Schliesslich verdiene ich mir im familiären Alltag sonst selten einen Blumenstrauss - wie auch? Meist hat frau schon geputzt, ehe ich überhaupt gemerkt habe, dass was schmutzig war (passt argumentativ schlecht, wollte ich aber unbedingt noch loswerden).

Im Urlaub nun kam Superwoman gar nicht dazu, ihren Besen zur Hand zu nehmen, weil nur Superpapa Hand anlegen durfte. Und da endete denn auch das mit dem Gebauchpinselt-Sein: Denn natürlich bliebs nicht bei so lässigen Heldentaten wie Kokosnüsseknacken und Fischlijagen - Superpapas Kräfte waren immer und überall gefragt, beim Zähneputzen genauso wie beim Eincremen und Poabwischen. Ja, und so schwanden die Kräfte bereits nach der ersten Ferienwoche. Nur weigerte sich Fin standhaft, dies zur Kenntnis zu nehmen.

Retten sollten mich ausgerechnet die Sandfliegen. Bis heute kann ich nicht sagen, wann die Viecher unsere Familie heimgesucht haben. Klar ist nur, dass sie es getan haben - und das nachhaltig. Alle wurden gebissen. Die Kinder mehr, die Eltern weniger - doch nur Superpapa zwangen die fiesen Flieger in die Knie. Zuerst juckte es nur, dann schwoll es an, zuletzt ging Superpapa mit eingegipstem Fuss an Krücken - besiegt von millimetergrossen Insekten, die nicht mal den Namen Mücken verdienen und erst noch schlechte Flieger sind.

Fin quittierte meine Niederlage mit Ignoranz. Nun durfte ich nichts mehr, weder seine Zähne putzen noch die Gutenachtgeschichte erzählen. Alles blieb an Superwoman hängen. Sie werden staunen: Superpapa konnte gut damit leben.