Lotto ist was für Verlierer. Ich meine: Die Gewinnchance auf einen Sechser beträgt 1 zu 8,145 Millionen. Um sich diese Zahl vorstellen zu können, kann man sich einen Turm aus gestapelten Ein-Franken-Stücken (Höhe = 1,5 Millimeter) denken. Dieser Turm wäre dann 12,2 Kilometer hoch!

Aus diesem Turm ziehe also ausgerechnet ich den goldenen Fränkler. Wer das denkt, hat im Mathematikunterricht mit dem Blasrohr gespielt oder generell nicht viel auf dem Kasten beziehungsweise zu wenig im Kässeli. Laut einer deutschen Studie stammen Lottospieler nämlich vorwiegend aus Haushalten mit eher niedrigen Einkommen. Die Vorstellung, sich durch einen Sechser im Lotto sozial nach oben zu katapultieren, sei am unteren Rand der Mittelschicht am stärksten verbreitet. Zudem lasse geringe Bildung in manchen Fällen die Chancen auf einen solchen Aufstieg höher erscheinen, als sie wirklich sind.

Nun will ich nicht behaupten, auf den Kopf gefallen zu sein. Ich kann mir jedenfalls bildhaft vorstellen, wie ich staunend vor diesem Münzberg stehe und nach den Sternen greife. Der Lottogewinn ist ausser Reichweite, dessen bin ich mir bewusst. Ich bin auch kein armer Schlucker, schreibe monatlich eine schwarze Null. Mittelschicht ist okay, unterer Rand der Mittelschicht? Definitionssache.

Bleibt die Frage, warum ich früher Lottospielern noch jegliche Ratio abgesprochen habe, nun aber, mit einem Ring am Finger, zwei Kindern im Schlepptau und einem Nuggi im Sack, meinen Sinn für mathematische Fakten über Bord geworfen und selber damit angefangen habe, in der Badewanne die Fischköder auszulegen.

Ja, Sie verstehen richtig: Ich spiele Lotto. Meine einzig plausible Erklärung dafür ist nicht eben ermutigend: Ein Familienvater in unselbständigem Anstellungsverhältnis ohne herausragende Fähigkeiten und ohne unmittelbare Erbaussichten schätzt die Chance auf den sozialen Aufstieg aus eigener Kraft geringer ein als 1 zu 8 Millionen. Desillusionierend, nicht? Übersetzt, hiesse dies wie eingangs erwähnt: Wer Lotto spielt, hat schon verloren. Harte Kost. Die muss man erst mal verdauen.

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