Heute zu etwas Geschäftlichem. Letzthin stand ich mit heruntergelassener Hose vor einem Pissoir. Auf der Stirnseite des Pinkelbeckens prangte ein verlockender Aufkleber irgendeines Pharmaunternehmens, darauf eine senkrechte Skala von grün «Plus» abwärts nach rot «Minus». Der Sinn und Zweck des mit «Prostata-Test» überschriebenen Stickers war auf Anhieb zu verstehen: Richten Sie den Strahl auf die Skala; reicht die Manneskraft bis in den grünen Bereich, ist alles okay, wenn nicht, sind sie ein Fall für den Urologen.

Nun kann man sich darüber beklagen, dass Pharmaunternehmen ihre Marketingoffensive bis auf die Männertoilette vorantreiben. Anderseits muss man gestehen, dass diese Pinkelmagneten ein echter Hingucker sind und als solche ihren Zweck erfüllen. Ob Smilie, Fliege oder eben Prostata-Test, Männer betrachten diese Aufkleber in der Mitte des Beckens als natürliche Herausforderung und pinkeln dosiert und zielgerichtet dem Smilie ein Grinsen ins Gesicht, bringen Fliegen zum Fliegen (Ja, liebe Frauen, ihr werdet es nie mit eigenen Augen sehen, aber unter dem warmen Wasserstrahl verändern manche Motive tatsächlich ihr Aussehen) oder lassen sich verleiten zu ebensolchen medizinisch haltlosen Weitpinkelwettbewerben. Öffentliche Toiletten bleiben dank diesen Aufklebern länger sauber, hat mir ein Barbetreiber bestätigt.

Nun, was für öffentliche gut ist, kann für private Toiletten nicht schlecht sein. Mein Sohn hat im Winter nämlich gelernt - und hier verabschiedet sich der Mann vom Affen -, seinen Namen in den Schnee zu pinkeln. Und obwohl sein Name nur drei Buchstaben hat, passt er nicht in die Schüssel. Nun habe ich also einen kleinen Fisch-Aufkleber gekauft, diesen in der Mitte der Heimtoilette angebracht - schliesslich will ich meinem Sohn die Freude des Stehendpinkelns nicht a priori verbieten, sondern es als seltenes männliches Highlight positionieren. Und siehe da: Die Rechnung geht auf. Gewöhnlich sitzt mein Sohn artig ab; denn eine in den Schnee gepinkelte Liebeserklärung hat vielleicht noch vor 100 Jahren eine Frau berührt, heute bringt man sie damit nur noch auf die Palme. Aber: Wenn mein Sohn mal Lust auf Zielpinkeln hat (so primitiv sind wir nun mal!), fokussiert er artig den gelben Fisch - und trifft!


Quelle: Viviana Chiosi