Da ist sie wieder, diese gesäuselte Aufforderung zur nächtlichen Gesprächsrunde: «Du-u?» Tja, und schon rollen sie an, die grossen Steine des Alltags. Kein Thema zu schwer, um nicht von frau noch kurz vor dem Einschlafen aufs Tapet gebracht zu werden. Die moderne Psychologie nennt das wohl Psychohygiene; um ins Reich der Träume zu entschweben, muss Ballast abgeworfen werden. Man hätte ja nichts dagegen einzuwenden, gäbe sich frau mit reduzierten Beiträgen zufrieden. Aber nein. «Interessiert es dich nicht?» - «Mhm» - «Sve-en!» - «Mhm» - «Komm!» - «Mhm» - «Svee-een!» - «Mhm» - «Du hast nie Lust zum Reden!» - «Mhm, was ist es denn so Wichtiges?» Tja, und schon hat sie mich da, wo sie mich haben wollte - denn der wichtigen Dinge sind in einem Frauenleben viele. Ich erspare Ihnen die Details.

Nach einer Stunde ists vorbei. Frau fühlt sich befreit und träumt, Mann fühlt sich, als wäre Sandmännchen mit dem Bagger aufgefahren. Was eben noch schwer auf Mamas Schulter lastete, rollt nun in Papas Kopf herum: Haushaltsplan, Finanzierungsplan, Ferienplan, Einkaufsplan und Putzplan - der Pläne sind viele. Und da liegt es dann und will geordnet sein, das Geröll, und poltert im Kopf die halbe Nacht, dass es einem den Schlaf raubt.

Die Folge: chronische geistige Umnachtung. Und wer hats auszubaden? Eben. Aber der Reihe nach. Ich hatte eben das Thema Finanzierungsplan ohne nennenswerte Ergebnisse abgehakt, als die Uhr auf zwei Uhr morgens sprang - und Liv mich ins Kinderzimmer befahl. Mit dem maskulinen «Mhm» versuch ichs in solchen Fällen gar nicht erst. Ich stolperte also ins Zimmer, sang dreimal «Ich ghööre es Glöggli», wandte mich ab und schlich wieder zurück in meine Traumbasis. Zehn nach zwei der zweite Alarm. «Du bist dran», meinte ich zufrieden, weil schadenfreudig, zur Pikett-Partnerin. Doch nichts mit Ruhe - im Gegenteil: «Schei...eee!!» War da etwas? «Sve-en!» Hä? «Sveee-eeen!» Ups, raus aus den Federn.

Als ich zum zweiten Mal in dieser Nacht im Kinderzimmer ankam, brannte bereits das Licht und auch sonst so einiges. Infolge besagter geistiger Umnachtung hatte ich vergessen, Liv vor dem Schlafengehen die Windeln anzuziehen. Natürlich hatte ich nun die Suppe auszulöffeln: Trösten. Ausziehen. Waschen. Wickeln. Bettzeug wechseln. Und zur Strafe hundert «Ich ghööre es Glöggli.» Um vier Uhr war Ruhe. «Mhm.

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