«Wickelvater», «Softie», «Waschlappen», «Frauenknecht» - für «Schlappschwänze» wie mich, die ihre Vaterrolle etwas femininer interpretieren als über das Fussballtraining am Wochenende und den Gutenachtkuss nach Feierabend, haben die «richtigen» Männer oft nur Hohn und Spott übrig. Wer seinem Sohn den Hintern abwischt, müsse sich nicht wundern, wenn er mit der Kacke auch die natürliche Autorität des Mannes entsorgt, muss sich unsereins schon mal anhören. Dabei droht dem Mann als solchem von ganz anderer Seite Gefahr.

Bekanntlich besteht das Geschlechts-Chromosom des Mannes aus einem X- und einem Y-Chromosom, dasjenige der Frau aus zwei X-Chromosomen. Entscheidend für die Geschlechtsausprägung ist also, ob ein Y-Chromosom vorhanden ist. Nun musste ich jedoch mit Schrecken - ja, auch einem Weibsmann wie mir ist das Schicksal des Mannes nicht völlig egal, im Fall! - erfahren, dass das Y-Chromosom langsam verkümmert. Bereits heute ist es nur noch ein Drittel so gross wie das X-Chromosom und enthält nur noch wenige funktionstüchtige Gene. Während das X-Chromosom über etwa 1000 Gene verfügt, sind im Y nur 27 zu finden. «Es könnte durchaus passieren, dass das Y-Chromosom im Lauf der Evolution verlorengeht», sagt Jan Engelstädter vom Institut für Integrative Biologie der ETH Zürich.

Also ruhig Blut, ihr machoiden Blindgänger, will man nun ausrufen; der Mann stirbt aus, ob er seinem Sohn nun den Hintern putzt oder versohlt. Falsch. Er bleibt der Welt erhalten, so Engelstädter. Denn die Geschlechtsdetermination könnte sich so ändern, dass auch ohne Y-Chromosom Männer entstehen. Die Lösung heisst X0-System. Männchen, die so funktionieren, sind der Grashüpfer oder der Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Ist der elegante Schlappschwanz, wie ich einer bin, evolutionär betrachtet nur Zwischenstufe auf dem Weg zum Fadenwurm?

Apropos Weichei: Attraktive Männchen versprechen ja gewöhnlich gute Nachkommen. Daher investieren ausser Frauen auch Vogelweibchen viel Energie in die Jagd nach einem hübschen Partner. Anders Zebrafinken: Gerade bei unattraktiven Männchen legt das Weibchen besonders grosse Eier. «So versucht es, die Defizite zu kompensieren, die ihr Männchen mit in die Dauerehe bringt», sagt Elisabeth Bolund vom Max-Planck-Institut für Ornithologie. Ich hüte mich, dies auf den Menschen zu übertragen - aber so viel sei verraten: Mein Sohn und meine Tochter werden laut Arztprognose keine 1,70 Meter gross. Ha!

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