Mein Sohn ist jetzt vier, seit der Geburt unserer Tochter jedoch wieder drei. Das ist schade. Denn mit vier hatte er noch durchgeschlafen, war semi-stubenrein und eigentlich ganz nett. Doch jetzt hat er so gegen vier Uhr morgens keinen Bock mehr auf Einsamkeit. Schon gar nicht, wenn er hört, dass seine Eltern im grossen Bett mit seiner kleinen Schwester den Guguseli machen. Und weil meine Frau und ich in dieser Herrgottsfrühe selten Lust auf konsequente Erziehungsmassnahmen und die damit einhergehende Lärmbelästigung haben, macht sich Fin, so heisst der kleine Macker, wieder öfter in der Mitte des Ehebetts breit.

In solchen Momenten kommt sie dann, die Frage aller Erziehungsfragen: «Du, meinsch nöd, das mir öise Chlii es bitzeli verwöned?» - «Nä-näi, ich han gläse, das seig guet fürs Sälbschtbewusstsii.» Das Tolle an Frauen ist, dass sie über alle wichtigen Fragen des Lebens entweder schon mal was gelesen oder aber eine Freundin haben, die überraschenderweise genau dieses Problem auch hatte und exakt so - sprich: vor allem anders, als ich vorgeschlagen habe - aus der Welt geschafft hat.

Nun mag das mit dem Selbstbewusstsein ja stimmen, aber muss Fin denn gleich ein Julio Iglesias werden? Zudem hätte ja vielleicht auch der Papi wieder mal Lust, in seinem Revier den heissblütigen Latino zu markieren - wenn Sie wissen, was ich meine. Doch irgendwie haben sich die Kräfteverhältnisse in den letzten Jahren nicht gerade zu meinen Gunsten verschoben.

Eifersüchtig? Ein bisschen! Vor allem aber verstehe ich nicht, warum mich die Kinder dann nicht wenigstens in Ruhe schlafen lassen können. Nein, so gegen 4.15 Uhr müssen sie mich noch demütigen, zwischen den Bettpfosten ein Zeichen der väterlichen Unterlegenheit setzen und mit knatternden Windeln ihr Hoheitsgebiet markieren. Dass es sich schlecht schläft, wenn man meint, das Ohr auf ein warmes Robidog-Säckchen gelegt zu haben, versteht sich. Kann ich den Kindern böse sein deswegen? Natürlich nicht. Denn spätestens am Morgen danach auf dem Wickeltisch zeigt es sich in aller Deutlichkeit: «Ihr seid eben doch bloss zwei kleine Hosenscheisser!»

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