Mein Nachbar versuchte im Keller gerade seinen Kinderwagen fehlerfrei durch einen Hindernisparcours zu bewegen - zu Testzwecken, denn das Kind des Nachbarn ist noch gar nicht da, erst unterwegs! Er schlängelte sich also gerade elegant zwischen Velos, Reifenstapeln und Anhängern hindurch, als ich mit dreckigen Stramplern im Arm zur ersten guten Tat des Tages schritt, zur Waschmaschine. «Und, passt auch alles?», fragte ich im Vorbeigehen etwas abschätzig. «Klar», meinte mein Nachbar kurz angebunden - offenbar hatte er registriert, dass mir seine unschuldige, aber naive Vatervorfreude auf den Keks geht. Er übt ja nicht nur im Keller Kinderwagenschieben, nein, er hält meiner schreienden Tochter auch mal ungefragt die Hand auf die Brust, wie der Appenzeller Geistheiler die Hand auf den abstinenten Raucher, und sagt Dinge wie: «Das gibt Kindern ein Gefühl von Sicherheit.»

Doch eigentlich hatte ich die Frage, ob auch alles passe, gar nicht so ironisch gemeint. Ich erinnerte mich nämlich daran, wie ich einmal selber mit leerem Kinderwagen unterwegs war, von meiner Frau beauftragt, herauszufinden, ob unsere im Internet ersteigerte Sänfte ins Tram passt. Mein Nachbar wollte die Geschichte nicht hören, Ihnen erzähle ich sie einfach:

Der erste Spaziergang mit Kinderwagen ist speziell, eine Jungfernfahrt ohne Inhalt aber ist absurd. Entsprechend fürchtete ich mich, an der Haltestelle wartend, vor neugierigen Frauen, die ihren Kopf ständig in alles hineinstecken müssen, «Guguseli» sagen, eigentlich aber nur wissen wollen, ob dieser Jungpapi dem «Schnugel» auch ein warmes «Mützli» aufgesetzt hat. Wie würde die Dame erschrecken, wenn sie reinschauen, aber nichts herausschauen würde? Und was sollte man dann sagen: «Heterosexuell, kinderfreundlich, suche nettes Mami zwecks Familiengründung» oder «Schwul, aber kinderfreundlich, suche Gleichgesinnten»?

Das Tram fuhr ein - der Wagen blieb hängen. Zu breit, also doch. Weil es doof ausgesehen hätte, nun einfach nicht einzusteigen, legte ich das sperrige Teil sanft in Schräglage. Doch erst als ich den Wagen um 90 Grad gekippt hatte, kam ich über das Gestänge, das eigentlich als Einstiegshilfe gedacht ist. Nun war offensichtlich, was ich hatte verheimlichen wollen: Da ist nichts drin, was hätte herausfallen können!

«Soll ich helfen?», frage mich eine Dame, als ich eine Station weiter wieder aussteigen wollte. Nein, nein, geht schon. Ich verliess das Tram so gekonnt, wie ich es betreten hatte. Von da an wusste ich: Papi, das wird heiter...

Quelle: Viviana Chiosi