Die Schweiz stirbt aus, warnten eben noch die Statistiker. Von wegen. Die Schweiz macht Nachwuchs wie seit Jahren nicht mehr! 2007 wurden 74'494 Kinder geboren, der höchste Wert seit dem Jahr 2000. Und der Trend hält an. Und ich dachte schon, bei uns zu Hause befinde sich die einsame Wiege der Nation - womöglich bilde eine hormonverseuchte Wasserader unter unserer Liegenschaft das Fundament der unbändigen Lust aufs Kinderkriegen. Fünf Kinder kamen in unserem Haus allein in den letzten zwölf Monaten auf die Welt - und jetzt ist sogar noch die einzige Katze im Haus schwanger. Ich wollte den Vermieter - einen bekennenden Kinderfan - schon fragen, ob er bei der Renovation des Hauses anstelle eines Grundsteins vielleicht zufällig einen Fruchtgummi versenkt hat...

Cindy, die einzige Frau im Haus, die momentan in Hot Pants passt, weil sie vom Akt zum Kindermachen mehr hält als vom Kinderkriegen, fragte mich kürzlich beim x-ten Bier: «Sven, warum kriegen Männer eigentlich immer einen dicken Bauch, wenn sie Nachwuchs auf die Welt gestellt haben?» Vielleicht weil sie dann weniger Zeit fürs Fussballtraining haben und für all die anderen sportlichen Aktivitäten, meinte ich.

Natürlich war das Blödsinn. Das dachte sich auch Cindy und sagte kopfschüttelnd: «Ich glaube, das liegt an der rückläufigen sexuellen Aktivität.» Schön formuliert. Ich war froh, dass sie das gesagt hatte und nicht ich. Es war Zeit, nach Hause zu gehn.

Auf dem Nachhauseweg - ich hing gerade gedankenversunken den dicken Bäuchen nach und strampelte lustlos mit dem Velo den Berg hoch - überholte mich eine Fahrradfahrerin. Die Frau, Liga Dauerwelle unter Fahrradhelm, radelte locker an mir vorbei und liess mich so mühelos stehen, dass ich mich schämen musste. Ich schaute hinunter auf meinen Bauch und war gekränkt. Zu Hause stellte ich mich nackt in den Türrahmen und fragte meine Frau: «Was meinst du, habe ich seit der Geburt unserer Kinder zugenommen?» Sie schmunzelte - und legte die Decke beiseite. Selbstironie erhöht den Sex-Appeal, hat ein Forscherteam der Universität von New Mexico herausgefunden. Endlich mal eine gute Nachricht. Dabei hatte ich das mit dem dicken Bauch gar nicht so selbstironisch gemeint...