Es ist kein schönes. Es zeigt den amerikanischen Herausforderer, wie er sich an den haarigen Hünen schmiegt, den schweissgetränkten, und mit seiner Glatze immer und immer wieder in der Achselhöhle des 2,13 Meter hohen Kolosses verschwindet, als wollte er signalisieren: Es gibt auch Deodorants, du Riesenferkel.

Just dieses Bild kam mir in den Sinn, als ich im Bus tief drin im Feierabendverkehr steckte. Es war eng und ungemütlich. Die anderen Fahrgäste, die wie ich keinen Sitzplatz ergatterten, konnten sich wenigstens am Dachgestänge festhalten. Ich jedoch pendelte haltlos, weil in der einen Hand die Einkaufstüte, mit der anderen den Kinderwagen haltend, von einer Achselhöhle zu nächsten. Da dachte ich also an den armen Holyfield – und war glücklich, dass es Winter ist. Kein Schweiss, kein Stinken – und wenn, dann tief verborgen unter den vielen Kleiderschichten. Sardinen im Zwiebel­mantel; was für eine schöne Bezeichnung!

Ich versöhnte mich also für einen Moment mit dem Winter, den ich ab Januar zu hassen pflege. Das musst du ausnutzen, sagte ich mir und ­meinte zu den Kindern, ehe ich es mir anders überlegen konnte: Morgen gehen wir schlitteln.

Klar bezahlte ich tags darauf für diesen Kurzschluss. Windeln wechseln, Skihosen anziehen, Skihosen wieder ausziehen, Windeln wechseln, ins Auto steigen, losfahren, umkehren, Treppen hoch, Handschuhe holen, Treppen runter, ins
Auto steigen, losfahren. Endlich ankommen. Los gehts! Berg rauf, Berg runter.Dann: Zvieri. Kinder auspacken, Brötchen streichen. Falscher Käse. Kinder trösten. Nerven behalten. Nerven verlieren. Skihosen ausziehen. Windeln wechseln. Skikosen anziehen. Berg rauf. Berg runter…

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Unter der Thermounterwäsche sammelte sich langsam der kalte Schweiss.