Man muss auch einfach mal Ja sagen können im Leben. Erwin hats gemacht und ist jetzt verheiratet. Seine Silvia auch. Und wenn man noch nicht ganz so weit ist, dann sollte man wenigstens den Brautstrauss fangen - oder zumindest so tun, als würde man sich darum bemühen. Frauen spielen da ganz toll mit. Sie geraten richtig in Aufruhr, wenn die Braut zum Wurf ansetzt. Wie ein Torwart spuckt sich die Festbesucherin in die Hände, bereit, die florale Beute aus der Luft zu pflücken.

Wer den Brautstrauss fängt, muss als Erstes - wichtig! - hysterisch schreien. Dann den Kopf schütteln und so tun, als würde sie von diesem Wink des Schicksals total aus der Bahn geworfen. Läck Bobi - soll ich, soll ich wirklich, muss ich gar?

Die Damen, die «leider» leer ausgegangen sind, reagieren selbstverständlich ebenfalls perplex. Sich der Tragweite des Geschehenen bewusst werdend, schlagen sie die Hände vor dem Mund zusammen und tun, was sie in solchen Momenten immer tun. Sie kreischen. Und dann nimmt sich die weibliche Hochzeitsgemeinde den Auserwählten der Auserwählten zur Brust. Sie klopfen ihm auf die Schulter - toi, toi, toi! - und wundern sich doch tatsächlich, warum sich der Arme von den Frauen überrumpelt fühlt.

Dabei ist dessen Reaktion ganz verständlich. Nehmen wir nur mal an, der Hochzeitsbrauch wollte es, dass die ledigen Männer den Brautstrauss fangen müssen. Da fiele das Bouquet doch zu Boden wie eine heisse Kartoffel! Und ein jeder würde behaupten, er habe gedacht, der andere würde den Strauss schon fangen.

Weil derlei kollektive Verweigerung just an einer Hochzeit schlecht ankommt, bleibt Männern bei diesem Brauch nur die Zuschauerrolle. Erst beim geselligen Teil dürfen sie in die erste Reihe - etwa beim Mohrenkopfschleuderspiel. Und da dürfen sie ihren Liebsten die fliegenden Kalorienbomben nach Herzenslust wegschnappen. Wenn sich die Damenwelt deswegen beschwert - ja, dann dürfen Männer guten Rechts behaupten: «Wink des Schicksals!»