Nun muss man wissen, dass besager Arbeitskollege in einem männerdominierten Haushalt aufgewachsen ist; Vater, vier Brüder und eine Mutter, die ihren natürlichen Gashaushalt offenbar als Einzige im Griff hatte oder öffentliches Flatulieren am Familientisch auch einfach nie als Dominanzgebärde verstand.

Auf das im Grunde doch eher unappetitliche Mittagsthema waren wir gekommen, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich eben von einem Männerwochende in den Bergen zurückgekommen sei – Übernachtung im Massenschlag inklusive –, bei dem ich mit Grausen habe feststellen müssen, dass nach übermässigem Alkoholgenuss nicht nur die Gaumensegel von Männern erschlaffen, sondern auch andere, tiefer sitzende Muskelpartien. Was im «Schlafsaal» nicht unbedingt zu einem geruhsameren Raumklima beigetragen hat. Es herrschte, wie ich es schönfärberisch nannte, «verbreitet Föhnlage».

Wäre ich in diesem testosteronschwangeren, alpinen Massenschlag aufgewachsen, wäre wohl auch ich dem kindlich-naiven Missverständnis meines Arbeitskollegen aufgesessen. Eine «Gefahr», die bei meinem Sohn mit Sicherheit nicht besteht. Er hat früh mitbekommen, dass Flatulenz beileibe nicht nur Männersache ist. Seine Schwester nämlich, an sich eher von der süssen Sorte, hat gerade den Furz als primitive und vermeintlich unschuldige Form des zivilen Ungehorsams entdeckt. Und wir als Eltern haben gewiss unseren Teil dazu beigetragen.

Am Anfang waren da bloss diese unverdächtigen Pupser damals noch auf dem Wickeltisch. «Hey!», riefen wir jeweils aus, «du kleiner Stinker!» und belohnten die Kleine für den Furz mit einer Partie Bauchkitzeln. Fand sie natürlich lustig, klar. Später waren dann diese aufsteigenden Luftblasen in der Badewanne. «Hey!», riefen wir aus, «du kleiner Stinker!» und belohnten sie für das Kunststück mit einer Partie Schaumschlacht. Fand sie natürlich lustig, klar. Und dann kam dieser verhängnisvolle Morgen, an dem wir am Boden herumtollten und sie just in dem Moment einen fahren liess, als ich gerade ihren Hintern im Gesicht hatte. «Hey!», rief ich aus, «du kleiner Stinker!» und spielte den Clown, dem gerade eine Torte ins Gesicht geworfen wurde. Fand sie natürlich lustig, klar.

Tja, und heute, wo wir uns plötzlich aufregen und irgendwelche Knigge-Parolen zitieren, wenn sie sich im Restaurant einfach hemmungslos entlüftet, findet sie das natürlich, genau: auch lustig.