David Hasselhoff sprach als «Knight Rider» jeweils in seine Uhr, wenn er K.I.T.T. das Auto aus der Ferne in den Schlafmodus befahl. Fand ich irgendwie cool und total future damals. Ich habe zwar keine Uhr mit Fernsteuerung und auch kein Auto mit Bewusstsein, dafür ein Handy mit allerlei Schnickschnack – und das eine oder andere Freundchen, das ich nicht ungerne ab und an per Knopfdruck in den Stand-by-Modus schicken würde. Und weil bei uns grad das Babyphone kaputtging, suche ich im virtuellen Kaufhaus nach Apps, also Programmen, die mein Mobile zum Kinderüberwachungs­gerät aufpimpen, im besten Fall mit Hasselhoff’schen extra features. Klar werde ich fündig. Für ein paar Fränkli gibts eine App, die nicht nur den Schlaf der Kinder überwacht und mich im Notfall telefonisch alarmiert, sondern gleichzeitig in den Modus «Mamas Stimme» schaltet – genderpolitisch problematisch, wie ich meine – und den Kindern zur Beruhigung vorträllert, was man zuvor auf­genommen hat, zum Beispiel: «S isch alles guet, Schätzli. S isch alles guet…» Die Funktion «Süsse Träume» kann sogar Lieder aus der Musikdatenbank abspielen.

Sofort ausprobieren! Und wirklich: Die Basis-Alarmfunktion funktioniert supi. Irgendwann bekomme ich einen Anruf aus dem Kinderzimmer und höre, wie meine Tochter «Papi» schreit. Und – was mich etwas verunsichert – leicht hysterisch wird. Papas Cyborg-Stimme aus dem Handylautsprecher scheint sie nicht zu beruhigen – auch die Message ab Konserve «s isch alles guet» kommt im Kinderzimmer nicht recht an. Nun will ich das Experiment aber nicht gleich aufgeben und starte eine andere Applikation: «Baby Soothing Sounds». Eine Kollektion von Walstimmen und Wasserfallberuhigungskompositio­nen, die, so das Versprechen, perfekt sind zum Trösten von «cranky baby». Ich lass das Wasser also mal richtig plätschern im Kinderzimmer, doch Töchterchen wird nur noch crankyger. Hm. Ich fange langsam an, an meinen Cyborg-Qualitäten zu zweifeln.

Oder habe ich womöglich nur beim Eintrag auf der «Baby ESP»-Applikation einen Fehler gemacht? Das ist so ein Kinderbetreuungsorganisationstool fürs Handy, wo man den Tagesplan des Kindes – «Essen, Schlafen, Pupen und mehr» – festlegen kann. Nicht, dass man noch das Füttern vergisst, schliesslich wurde das Teil «speziell für müde, gestresste Eltern» erfunden. Vielleicht habe ich die Kleine also schlicht zu früh schlafen gelegt. Mal mit Mamas Datenbank synchronisieren… Aber erst morgen.

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