Sven Broder in der TV-Sendung «Aeschbacher» vom 16.06.2011

Eigentlich – auch wenn mir das selten einer abnimmt – gehöre ich zur Gattung des Ursus spelaeus, bekannter unter der deutschen Bezeichnung Höhlenbär. Und unter diesen wiederum zähle ich mich zur Art des Ursus spelaeus iners, also zur schüchternen Untervariante des zotteligen Tieres. Kurzum: Ich brülle gerne aus der Höhle, lasse mich draussen aber nur ungern blicken.

Doch wie man in den Wald hineinruft, so schallt es eben zurück. Und so sah ich mich in den letzten Wochen gleich zweimal, ich will nicht sagen gezwungen, aber doch zumindest sanft gedrängt, vor einer Fernsehkamera meinen Papi zu stehen. Man mag mir jetzt vorhalten, das sei reine Koketterie. Darauf sage ich: Mir wurscht!

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Die ausserkörperliche Erfahrung

Natürlich: So ein TV-Auftritt (siehe unten) hat, wenn man das ganze Brimborium darum herum zum ersten Mal miterlebt, auch was Spannendes. Doch wenn man dann später bei der Ausstrahlung der zuvor aufgezeichneten Sendung an einem gemütlichen Fernsehabend in trauter Umgebung plötzlich sich selber gegenübersitzt, hat das was ziemlich Beängstigendes, was von einer Out-of-body-Experience. Und ausserkörperliche Erfahrungen machen gewöhnlich nur Menschen, die sich in aussergewöhnlichen Bewusstseinszuständen befinden, zum Beispiel bei Nahtoderlebnissen. Doch Gevatter Tod ist ja eher kein Fan von gemütlichen Fernsehabenden; entsprechend spooky kam mir das Ganze vor.

Doch noch mehr als mich selber haben die Fernsehauftritte meine Tochter irritiert. Wo normalerweise das Sandmännchen winkt, sass plötzlich Papi. Aber sass der nicht gleichzeitig hinten auf dem Sofa? Wow! Es dauerte folglich eine Weile, bis sich ihre Augen wieder in ihre Höhlen zurückzogen. Als das so weit war, kroch sie demütig gen Fernsehapparat, klopfte vorsichtig ans Glas und sagte: «Papi! Papi?» Und weil der Papi so gar keine Anstalten machte, weder auf ihre Klopfzeichen noch auf die Zurufe zu reagieren, heulte sie los. «Papi ist im Fernseher», meinte meine Frau. Und wie kommt er da wieder raus, dachte sich meine Tochter – und heulte noch lauter.

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Mein Sohn hingegen zeigte sich da schon abgebrühter. Ja, man kann schon sagen: ausgekocht. Der freute sich nicht mal richtig über das Autogramm von Valentin Stocker, das ich ihm vom Fernsehstudio mitgebracht hatte, inklusive persönlicher Widmung. «Da steht ja ‹Hopp FCB› drauf», meinte er nur achselzuckend. Sein anderer Kommentar bezog sich auf die Farbwahl der Hose, die ich im Fern­sehen getragen hatte. «Pink!» Da waren dann alle Rechtfertigungsversuche sinnlos.