Werde ich eines Tages im Beisein meiner Frau mein Ableben erleben, werde ich wohl mit einem Fluchen im Ohr den Tunnel des Lichts betreten. Diese Vermutung habe ich einem Abenteuerurlaub zu verdanken, aus dem ich und meine Familie eben lebend zurückgekehrt sind: Flossfahrt in Schweden.

Wir waren mit unserem selbstgebauten, 1000 Kilo schweren Floss bereits drei Tage und 50 Kilometer den Fluss hinuntergepaddelt, Papa entsprechend ausgepowert, die Kinder angeödet und Mami mit ihren Nerven langsam am Ende. Bald würde es geschafft sein – dachten wir. Doch da wartete ja noch das finale An­legemanöver. Obwohl wir – meine Frau würde sagen: ich – eine Stunde Zeit gehabt hätten, dieses Manöver vorzubereiten, ging letztlich alles schief.

Die Kurzfassung: Als am Ufer die Ausstiegspassage und mit ihr die auf uns wartenden Guides langsam an uns vorbeizogen, befanden wir uns noch in der Flussmitte. Vor uns drohte die sagenumwobene «Holzfalle» – und wenig weiter das Kraftwerk. Also: Ran an die Riemen! Ich paddelte wie irr, ja ums Leben meiner Familie. Zehn Meter vom Ufer entfernt sprang ich entkräftet ins mitgeführte ­Kanu. Mit mir dort drin: zwei noch nicht miteinander verknotete und noch nicht entwirrte Seile.

Während meine Familie hinter mir ins Elend trieb und vor mir ein unterkühlter Schwede schon mal vorsorglich Portemonnaie und Handy weglegte, versuchte ich mit Zähnen und allem, was mir sonst zur Verfügung stand, das Tau wurfbereit zu machen.

Es gelang mir in letzter Sekunde. Der Guide machte es fest, und – zurrr! – katapultierte mich das Seil auch noch samt Kleidern und Gummistiefeln ist eiskalte Wasser. Noch im Flug hörte ich vom Floss her eine Stimme etwas schreien, das sich anhörte wie: «So ein Blödmann!»

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