So einen Mordshecht würde ich auch gern mal an Land ziehen wie Fischer G. aus Horgen ZH: 116 Zentimeter lang, elf Kilo schwer. Mein Grossvater, ebenfalls ein toller Hecht, fischte mal einen von 121 Zentimetern Länge – wofür er Helden­status bei seinem Enkel erlangte, der selber bis ­heute mit Egli und Forelle hat vorliebnehmen müssen.

Doch Fischer G. – die Anonymisierung verrät es: Die Sache ist heikel – machte die Rechnung ohne den Zürcher Tierschutz, als er seinen kapitalen Fang stolz im «Tages-Anzeiger» präsentierte. Dieser zeigte G. nämlich kurzerhand wegen Tierquälerei an. Schliesslich hatte der Petriheilsempfänger in seiner Euphorie damit geprahlt, das Tier in einem zehnminütigen Abnützungskampf niedergerungen zu haben. Im Fachjargon «Drill» genannt.

Fischer G. wurde zwar erstinstanzlich freigesprochen. Doch der Fall dürfte weitergezogen werden – und er beschäftigt mich, wie angetönt, auch ganz persönlich. Zumal hinter jedem toten Fisch Dut­zen­de von toten Ködern stecken. So erinnere ich mich mit Scham, wie ich meinem Sohn im Sommer er­klärte, wie man einen Schwarzkopf – im Volksmund profan als Wurm bezeichnet – an den Haken spiesst: beim Kopf rein und dann aufziehen wie ein Hörnli auf die Gabel. «Und den Wurm nicht durchstechen, dann zappelt er im Wasser länger.» Bis heute war ich mir der Brutalität dieser Worte nicht bewusst.

Generell sind die Fische des Fischers Freund, muss man sagen. Doch ist ein Fisch einmal am Haken, ja dann – Petri Heil! – kennt des Fischers Herz kein Erbarmen. Im Sommer in Kroatien zum Beispiel: Endlich hatte meine Frau den ersten Fisch ihres Lebens an der Angel, zog ihn ein, doch beim Finale kniff sie plötzlich. Nun hatte mich mein Grossvater früh gelehrt: Wer angeln will, muss töten können. Meine Frau aber liess den japsenden Fisch auf dem Trocknen zappeln, weil sie offensichtlich Gewissensbisse plagten. «Gewissensbisse?», schrie ich auf.

«Gewissensbisse sollst du haben, wenn du ihn noch länger quälst» – und reichte ihr einen stattlichen Prügel. Sie schlug zu. Aber so sachte, dass es bestenfalls für Kopfschmerzen reichte. «Härter!», rief ich. Und dann schug sie drauf – dem Teufel ein Ohr ab.

So hart, dass dem Tier die Augäpfel aus den Höhlen traten. Noch aus der Pfanne glubschte der Fisch uns an, dass einem der Appetit vergehen konnte. Seither hat meine Frau nie mehr zur Angel ge­griffen. Aber Fischstäbchen, die liebt sie bis heute. Klar: Die sind ja auch rechteckig, praktisch, gut.