«So, so – und wo hat denn der Papa seinen Skihelm?», fragte die nette Dame vom Sportgeschäft meinen Sohn, als wir für ihn und uns alle eine Skiausrüstung mieten wollten. Sie schlug den Sack, zielte mit ihrer Frage aber natürlich auf den Esel.

«Papa fährt immer ohne Helm», gab der Sack zur Antwort – und das subtile Kopfschütteln, das seinen Worten folgte, machte mir einmal mehr deutlich, auf welch abwegigen Pfaden ich mich als Vater in seinen Augen bewege. Die Welt der Korrekten hat meinen Sohn längst indoktriniert.

Ich beugte mich also dem Diktat der überversicherten Mehrheit und orderte eine dieser Schüsseln, die mein primitives Hirn vor den Attacken der angeblich überall lauernden Pistenrowdys schützen soll. Nun hätte ich der Dame vom Sportgeschäft noch gerne unter ihr süsses Näschen gerieben, dass sie sich das nächste Mal doch bitte aus innerfamiliären Debatten heraushalten solle. Ich unterliess es – ihrer, vor allem aber unserer Skiferien-Laune wegen.

Da stand ich nun also am Tellerli-Lift, unter den Füssen neumödige Carver-Skier, die die nette Dame vom Sportgeschäft angepriesen hatte, als hätten sie Superkräfte, und liess mich im Schritttempo von 855 auf geschätzte 865 Meter über Meer schleppen.

Dazu muss man wissen, dass die Luft auf über 1500 Meter für Normalsterbliche mit zwei Kindern dünn geworden ist. Ein einziger Tagesausflug hinauf in die Welt der sicheren Schneeverhältnisse, der Sechsersesseli, Skikanonen und verkochten Älplermagronen hatte uns an die 200 Franken gekostet. Den Rest der Ferien verbrachten wir deshalb wieder an unserem Hauslift, wo der Bügel-Mann mit Fingern wie gehäutete Landjäger noch Krumme raucht und um 16.30 Schluss macht, weil die Kühe warten.

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Als ich diesen Tellerli-Lift also endlich hinter mich gebracht hatte, musste ich erst mal den Helm ausziehen. Die Sonne hatte so unerbittlich darauf gebrannt, dass bereits die Migräne an die Hirnrinde klopfte. Noch wollte ich mein neues Leben als Vorbild aber nicht preisgeben und setzte den Helm erneut auf, bevor ich den Hang hinunterwalkte – der Schnee hatte mittlerweile die Konsistenz von Kaugummi, was meinen Super-Carvern offensichtlich nicht behagte. Entnervt zog ich den Helm wieder aus. Hätte mich jetzt eine nette Dame auf eine allfällige Helmpflicht hingewiesen, wäre meine Reaktion der lokalen Tageszeitung eine kurze Polizeimeldung wert gewesen.