«Herbert hat eine Phimose», meinte der Arzt. Zu Hause übersetzte Mami, was der liebe Herr Doktor damit meinte: «Weisst du, Herbert», sagte Mami – immer wenn Mami Herbert sagte, wusste Herbertchen, es wird jetzt ernst –, «manchmal ist das Löchchen beim Häutchen am Pimmeli zu eng. Dann muss der Doktor ein Schnittchen machen. Aber das tut nicht weh. Und das haben ganz viele Buben.»

Herbertchen hatte Mami gut zugehört. Doch was ihm blieb, war einzig «Pimmeli» und «Schnittchen» – und das klang in seinen noch jungen Jahren ganz und gar nicht verheissungsvoll.

Eines Tages kam der Tag, da musste Willi unters Messer. Herbertchen hatte Angst um seinen Freund. Doch alles Wehklagen nützte nichts. Schnippschnapp! Als Herbertchen wieder aufwachte, war Willi skalpiert. Er rannte zu seiner Oma und heulte in deren Schoss: «Oma, Oma, sie haben mir den Willi abgeschnitten!» Oma streichelte Herbertchen übers Haupt – und sagte nichts. Das tat dem Herbertchen gut.  Ein paar Wochen später waren er und Willi wieder versöhnt. Bis heute haben sie ein gutes, gesundes Verhältnis zueinander.

Herbert ist heute erwachsen und hat einen Sohn. Nennen wir ihn Erwin. Erwin hat auch einen Willi. Und dieser Willi hat das gleiche Problem wie der Willi vom Herbert. Also nahm Herbert eines Morgens eine Banane zur Hand, schnitt einen Zipfel ab, pellte die Frucht und meinte: «Schau, so einfach geht das und tut gar nicht weh!» Was Erwin da von seinem Papi zum Frühstück serviert bekam, sah ganz und gar nicht verheissungsvoll aus. Auch Mami fand die Lektion mit der Bananen-Attrappe «saublöd» und sagte zu Herbert: «Jetzt kannst also du mit Erwin zum Urologen.»

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Eines Tages war es so weit. Herbert fühlte sich mies. Erwin fühlte sich mies. Sogar ihre beiden Willis verkrochen sich. Und da sagte der liebe Herr Doktor dann Folgendes: «Da muss man noch nicht schneiden. Wir versuchen es zunächst mit einer Kortison-Creme. In acht von zehn Fällen genügt das.» Erwin war glücklich. Herbert fühlte sich irgendwie betrogen.