Puh!, dachte ich, Sex – was ist das? Und dann schwante mir: Stimmt, da war mal was. Ich habe mal was darüber geschrieben, in der «Annabelle», damals allerdings anonym, weil sich auch Frauen zum Thema äusserten, und die hatten sich offenbar geweigert, mit Namen für das Geschriebene geradezustehen. Ich meine, was solls. Ist ja nur Sex. Da kann unser­einer eh nicht mehr viel verlieren… Und sowieso: Seine (eigene!) Frau zu begehren ist keine Sünde. Wäre ich eine Frau, ich würde mich nicht darüber beklagen. Aber ich weiss, Frau sieht das anders. Und da wären wir bereits mitten im Thema.

Nun also: Kurt Seikowski, Vorsitzender der Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V. in Leipzig, sagt: «Männer sind trieb­gesteuerter als Frauen.» Nun ist das allein nichts Neues. Neu jedoch war mir, als ich das Interview mit Kurt Seikowski las, dass fast jeder Mann einmal oder mehrmals am Tag eine Spontanerektion hat, die ihn daran erinnert, dass er volle Hoden hat.

Biologisch betrachtet ist es also ganz natürlich, dass Mann einen dicken Hals kriegt, wenn er nach der Geburt des Kindes plötzlich monatelang gar keinen und dann nahezu keinen Sex mehr hat. Nun kann Frau einwenden: Leer ihn doch einfach. Und genau da liegt das grosse Missverständnis. Der Hoden mag signalisieren, was er will – das allein macht uns Väter nicht zur Kuh, die einfach gemolken werden will. Na ja, manchmal schon, aber meistens nicht. Und so sind es denn auch nicht primär die nackten Zahlen, die unsereinen deprimieren, sondern es ist das simple Wissen, nicht mehr begehrt zu ­werden. Als wäre der sexy Typ von einst über Nacht zum Hängebauchschwein auf Mikadobeinen mutiert.

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Es ist der immer wieder vergeblich geträumte Traum, heute stelle sich die Frau nackt in den Türrahmen und lasse das Kätzchen endlich mal wieder schnurren – gepaart mit der traurigen Erkenntnis, sich selber im Türrahmen in voller Pracht präsentieren zu können, aber dann doch nur gefragt zu werden: «Hast du den Schoppen schon gemacht?» Was frustriert, ist das Wissen, dass jede Erektion als Provokation verstanden wird und abschreckt wie ein Warnschuss auf Hasenjagd. Dieses gemurmelte «Hmm», das man auf halbem Weg zur Traumdestination zu hören kriegt. Und es ist dieser verflixte Libido­killer, dass sie immer schon weiss, was man will, egal, ob man sich querstellt, anschleicht oder gleich draufspringt.

Sie mögen sagen: Musst dir eben Mühe geben bei der Balz. Interesse zeigen. Nett sein. Auch einfach mal so, ohne Hintergedanken. Sie haben recht. Doch dann stellt irgend so ein innerer Verräter den Steuerknüp­pel auf Autopilot. Behaupten Sie dann mal: «Echt, ich will nur reden!»

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