Als die Tramtür vor meiner Nase zuschlug, ich und die Kinder draussen, meine Frau drinnen, ungewollt, da spürte ich, wie sich die Haare in meinem Nacken blitzartig aufrichteten. Ein kalter Schauer überkam mich – und die Erkenntnis, dass ich nicht in der Haut des Chauffeurs stecken wollte. Ich sah noch, wie sich die Miene meiner Frau verfinsterte, als sie sich vom Fenster wegdrehte und Richtung Führerstand stampfte. «Oh, oh», meinte Fin. Auch er schien sich mehr Sorgen um den Tramchauffeur zu machen als um sein Mami, das statt hier wie wir einfach eine Station weiter aussteigen würde. Liv winkte nur lässig.

Ich weiss nicht, was meine Frau dem armen Kerl verbal ins Führerhäuschen erbrach. Druckreif wäre es ohnehin nicht gewesen. Meine Frau hasst jegliche Art öffentlichen Verkehrs. Dieses Erlebnis war nur ein weiterer Tropfen in ein ohnehin längst volles Fass. Ihr Dilemma ist, dass sie trotzdem grün wählt – und zwar aus Überzeugung. Sie können sich ausrechnen: Schlagen zwei so unterschiedliche Herzen in einer Brust, gerät Frau emotional zwangsläufig des Öfteren aus dem Gleichgewicht.

Neulich kam sie nach Hause, genervt, gestresst, bleich wie ein Leintuch. «Heute habe ich Liv in der Stadt verloren», meinte sie. «Wo?» – «Im Franz Carl Weber.» – «Aha, ich dachte schon, sie sei mit dem Tram alleine losgefahren.» Meine Frau senkte die Augenbrauen, ihr Blick verdunkelte sich. Es stellte sich heraus, dass Liv, als meine Frau für einen Moment unachtsam war, allein in den Fahrstuhl gestiegen war. Der Zufall wollte es, dass just in dem Moment jemand im zweiten Stock den Lift mit meiner Tochter nach oben holte. «Meinst du, die hätte geweint oder geschrien? Nein! Eine Viertelstunde lang litt ich Höllenqualen. Als ich sie endlich fand, sass sie bei den Kuscheltieren und spielte dort fröhlich ‹Grüezi mitenand›.» Ich konnte es mir nicht verkneifen und meinte: «Tja, im Gegensatz zu dir liebt sie öffentliche Verkehrsmittel.» Meine Frau fand das nicht lustig.