Meine Frau hatte einen geschäftlichen Pflichttermin, ich meinen obligaten Männerabend. Als die Kinder schliefen, übergaben wir den Nachbarn im zweiten Stock also unser Babyphon und gingen aus. Die Freunde vom vierten Stock waren am gleichen Abend ebenfalls auswärts, ihr Babyphon stand auf Standby bei den Nachbarn im ersten Stock.

Es könnte sein, dass sich meine Frau zuvor beim einstündigen Schönheitsprogramm das Gehirn aus den Ohren geföhnt hatte. Vielleicht hatte sie beim fünften Outfitwechsel auch schlicht den Kopf im Kleiderschrank vergessen. Jedenfalls sollte sich herausstellen, dass sie bei der Babyphon-Übergabe versehentlich Sender und Empfänger vertauscht hatte. Der Zufall wollte es, dass die Nachbarin im zweiten Stock ausgerechnet ihren Astroabend hatte, der nun per Liveschaltung ins Kinderzimmer übertragen wurde. Wenn mein Sohn Fin nur ein bisschen was von mir geerbt hat, ist er spätestens beim Thema Aszendent schweissgebadet aus dem Schlaf hochgeschreckt. Seine Schwester habe plötzlich so komisches Zeugs geplappert, meinte er tags darauf als Erklärung für seinen nächtlichen Spaziergang.

Weil Mama und Papa nicht zu Hause waren, war Fin nämlich – so haben wir ihn das gelehrt – in den vierten Stock gerannt, wo sein Götti zu finden ist. Gewöhnlich. Doch dort war an jenem Abend niemand, ausser Klein Leo und das andere Babyphon, das nun Fins Hilferuf in den ersten Stock übermittelte. Dort dachte die schichthabende Nachbarin, als sie über Funk «eine Frauenstimme» hörte, das Pärchen vom vierten Stock sei bereits zurückgekehrt, und schaltete das Babyphon routinemässig ab.

Fin, unterdessen ziemlich ausser Fassung, rannte zurück ins Treppenhaus, allerdings nicht ohne zuerst noch Leo aus dem Schlaf zu reissen. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Damen vom zweiten Stock aus ihrem Kaffeesatz lasen, dass gerade ein Kind im Flur verzweifelt – und noch etwas länger, bis auch der Hilferuf vom funktechnisch abgenabelten Leo in die niedereren Gefilde drang...