Wenn meine Frau und ich also in der Stadt leben, tun wir das primär aus Eigennutz; das Kino in Sicht-, die Konzertbühne in Hör- und die nächste Café-Bar in Babyphone-Reichweite.

Nicht, dass unsere Kinder in der Stadt nicht auch auf ihre Kosten kommen, aber so naturnahe Erlebnisse wie noch euterwarme Frischmilch trinken oder getrockneten Kuhpflütter von der Ferse kratzen sind in Downtown Switzerland selten.

Was dem Nachwuchs in der Stadt an ländlichen Erfahrungen entgeht, versuchen wir ihm auf einem einst verwaisten Bauernhof zu vermitteln, den wir mit anderen Paaren als Feriendomizil gemietet haben. Wider Erwarten sind es aber gerade nicht die Kinder, die auf dem Land eine Lektion in urhelvetischer Natur- und Volkskunde erteilt bekommen. Denn die bewegen sich auf dem bäuerlichen Parkett so gekonnt und selbstverständlich, als wären sie im Dunstkreis eines Misthaufens und nicht einer Kehrichtverbrennungsanlage zur Welt gekommen. Regelmässig abgewatscht werden wir antiseptischen Eltern, die wir uns vor den Kindern ach so gerne rühmen – typisch Städter übrigens –, im Grunde von bäuerlicher Abstammung zu sein und dieses Erbe tief drin bewahrt zu haben.

Dabei beschränkt sich das «Ursprüngliche» in unserem Grossstadtleben längst auf den Appenzeller Käse im Kühlschrank.

Insofern tut das temporäre Landleben vor allem uns Erwachsenen gut: im Nessel­bad merken, dass sich Ballerinas auch in Lederausführung nicht zum Wandern eignen. Spüren, dass der Kuhdraht auch dann geladen sein kann, wenn beim Test mit einem Stecken nichts zwickt. Erfahren, dass Mann mit Babytragtuch am Schwing­fest auffällt wie Dolly Buster in Mekka – und dass es mindestens so deplatziert ist, dann noch die Serviertochter nach Losen für die tolle Tombola zu fragen, weil man das mit dem Gabentempel irgendwie falsch verstanden hat.