Aber es gibt Babys, die sind süss und sehen aus wie Pralinés. Und es gibt Babys, die sind süss und sehen aus wie Bienenstiche, wie aufgedunsene Ofenküchlein mit Streusel und Cremefüllung. Nicht alle Babys sind gleich süss. Das ist vielleicht gemein, aber die Wahrheit. Und wirklich gemein ist diese plumpe Feststellung nicht, sondern die Tatsache, dass die wirklich süssen Babys erwiesenermassen mehr Aufmerksamkeit und im Endeffekt auch mehr Liebe von ihren Mitmenschen bekommen als die weniger süssen.

Das ist nicht nur gemein, sondern richtig ungerecht. Denn erstens können Babys nichts für ihr Aussehen – manche Kinder brauchen einfach etwas mehr Zeit zur Entfaltung –, und zweitens können Babys ihre äusseren Defizite nicht durch innere Werte kompensieren, weil sich die inneren Werte bei Babys noch reduzieren auf Durchschlafqualitäten, Schreiquantitäten, Trink- und Essverhalten; Werte, die die betroffenen Eltern sicherlich zu schätzen wissen, nicht aber Aussenstehende.

Und glauben Sie ja nicht, die Durchschnittsbürgerin könnte nicht zwischen süss und wirklich süss unterscheiden. Der Berner Psychologe Janek Lobmaier hat es im vergangenen Jahr belegt. Er konnte nachweisen, dass gerade und vor allem jüngere Frauen anhand von Fotos die niedlichsten Babys ganz instinktiv und auf Anhieb von weniger niedlichen Babys unterscheiden können. Laut Lobmaier kamen besonders gut an: grosse Stirn, runde Augen, kleine Nase, kleines Kinn.

Nun behauptet man gerne, für die Eltern seien die süssesten ohnehin immer die eigenen Kinder. Vielleicht stimmt das sogar. Ich habe jedoch festgestellt, dass auch Eltern, vor allem Mütter, die ästhetische Qualität ihres Nachwuchses durchaus objektiv einzuschätzen wissen – und deshalb allerlei Deko-Tricks anwenden, um allfällige Defizite zu kaschieren.

Die beliebteste und zugleich effektivste Methode ist das Bären- oder Schafkostüm. Man nehme eine braune oder weisse Plüschfelljacke mit Kapuze und angenähten Ohren, ziehe diese dem Kind über den Kopf und zurre sie satt zu, so dass nur noch Kulleraugen, Stupsnase und Mund hervorgucken – und fertig ist der Jö-Effekt.

Eine andere, ebenfalls beliebte, aber – man muss es in dieser Deutlichkeit sagen – geradezu bescheuerte Methode ist das Anziehen von pseudolustigen Mützen, wahlweise mit falschem Irokesen oder falschen Dreadlocks. In der Erwachsenenwelt gibt es nur ein Accessoire, das zu tragen ein ähnliches ästhetisches Verbrechen darstellt: die Unterhose mit Rüssel und Elefantenohren.

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