Unverkrampft, wie Lea ist, lässt sie die Kinder in ihrer Obhut auch bei winterlichen Temperaturen am Brunnen eiskalte Hexensuppe kochen. Den obligaten Kuhnagel rubbelt sie dann einfach souverän weg. Und egal, wie tief der Morast, bei Lea dürfen die Kinder jederzeit Fussball spielen. In ihrer Tasche finden sich immer eine trockene Socke, eine saubere Hose oder ein Schnitz Mandarine. Lea denkt vielleicht weniger nach als andere Mamis, aber dafür stets einen Schritt voraus. Ja, ich mag Lea. Und ich mag Teo, Leas Sohn und besten Freund meines Sohnes. Astrid Lindgren muss an ein Kind wie Teo gedacht haben, als sie die Geschichten vom Michel aus Lönneberga niedergeschrieben hat. Teo hat vielleicht nicht immer ganz viel zwischen den Ohren, dahinter hat er es aber garantiert faustdick.

Neulich kam mein Sohn mit einer Zigarette im Mund nach Hause. Dachte ich zumindest – und erschrak heftig. Mein Sohn fand das lustig, denn mein Horror war Programm. In Tat und Wahrheit war das Ganze nämlich ein blöder Scherz, wie nur Teo ihn ausgedacht und sein unverkrampftes Mami ihn ermöglicht haben konnte; mein Sohn nuckelte nicht an einer echten Zigarette, sondern an einer aus Kaugummi. Lea hatte den beiden Schlitzohren offenbar eine Packung davon gekauft. Ich wusste nicht mal, dass es die noch gibt. Aber das tut es. Ganz legal an jedem grösseren Kiosk. Den Präventionsaposteln müssen diese Dinger irgendwie durch die Lappen gegangen sein. Zu meinem Erstaunen.

Ich fand, Teo, vor allem aber sein Mami seien damit zu weit gegangen – und stellte Lea zur Rede. Schliesslich wird aus unverkrampft schnell mal verantwortungslos. Doch sie meinte nur, ich solle jetzt nicht so verkrampft tun: «Du hast doch meinem Sohn kürzlich auch diese Kaugummis mit Kinder-Tattoos drin gekauft.» Aber Zigaretten und Tattoos sind zwei Paar Schuhe, wollte ich grad hinausposaunen. Doch das stimmt gar nicht. Ich war damals nämlich bei einem Freund zu Gast. Als dieser den «tätowierten» Arm meines Sohnes sah, stürzte er in eine existentielle Krise. «Shit», rief er, «dein Sohn hat das gleiche Tattoo wie ich!» Und wirklich: Mein vermeintlich ach so cooler Freund hatte sich ein Motiv ins Fleisch stechen lassen, das 15 Jahre später im Faktor 1:10 in einem doofen Kaugummipapierchen stecken sollte. Und da hätte mein Freund damals noch so verkrampft nachdenken können, das hätte er nie und nimmer vorausgeahnt… So ist das Leben. Das ist die Wahrheit.

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