«Mein Mann hat es nicht so mit dem Zeitmanagement. Er ist der Typ, der sich fünf Minuten vor einer Verabredung am anderen Ende der Stadt noch vor den PC setzt und seine Mails checkt»: Das hat meine Frau kürzlich Wemf-beglaubigten 325'000 Leserinnen und Lesern unter die Nase gerieben. Das verlangt nach einer deutlichen Replik meinerseits. Vor 933'000 Wemf-beglaubigten Beobachter-Leserinnen und -Lesern sage ich deshalb: Sie hat recht. Zeiten, Termine, Fristen sind nicht meine Stärke.

Mitte Woche hat mich mein Freund und Nachbar nach meinen Plänen fürs Wochenende gefragt. «Hast was vor am Samstag? Wollen wir uns treffen?» Bei derlei Fragen werde ich immer ein wenig nervös. Mittlerweile ist mein Unterbewusstsein jedoch so weit abgerichtet, dass es reflexartig körpereigene Säfte ausschüttet, die dann zumindest mal «Warnung» signalisieren. Immerhin. Also nicht gleich antworten, zuerst überlegen, denn irgendwas ist immer los an einem Wochenende, vor allem wenn man Frau und Kinder hat. Das Problem ist, dass es nichts bringt, die eigene Festplatte nach Daten zu durchforschen, die prinzipiell nicht abgespeichert werden. «Nein, meines Wissens haben wir nichts vor», meinte ich zögerlich. «Aber zur Sicherheit frage ich lieber mal nach zu Hause.»

Glücklicherweise kam mein Sohn der Audienz bei der Regierung zuvor. «Papi, wir wollten doch noch ein Geburtstagsgeschenk für Mami basteln?» Mami? Geburtstag? Ich wusste doch, da ist was am Samstag!

Nun war es bereits Donnerstagabend, als mein Sohn mit dieser Info herausrückte. Diesmal wurde ich nicht nur ein wenig nervös, sondern bekam richtig weiche Knie.

Mittlerweile ist es Freitagabend, und natürlich habe ich noch kein Geschenk, ja, nicht mal eine Idee davon. Zudem hat meine Frau, wie ich mich nun deutlich erinnere, vor Tagen gemeint, dass ich mir wegen des Geburtstags keinen Kopf zu machen brauche: «Ich habe auch an etwas Kleinem Freude.» Mhm – schon ists wieder da, dieses Warnsignal. Als ich mir das letztmals zu Herzen nahm, kaufte ich ihr ein tolles Beruhigungsbad. Das konnte sie dann auch gebrauchen – nachdem sie die Kleinigkeit ausgepackt hatte und feststellen musste, dass Mann nicht immer versteht, wenn Frau das eine sagt, aber das andere meint...

Am besten gehe ich jetzt nach Hause und lade sie spontan zum Essen und dann präventiv in den Hamam ein. Wir beide brauchen morgen gute Nerven. Oder haben wir schon was anderes vor heute Abend?