Ich ging der Nase nach und stiess in der Küche auf ein eingekochtes bordeauxfarbenes Brikett, das mal eine Tomatensauce gewesen sein musste. Es räuchelte leicht. Ich nahm die Pfanne vom heissen Herd und rief ein melodiöses, aber energisches «Hallo-o» durch die Wohnung. Wie erwartet, war niemand da. Aha! Erwischt!

Als meine Frau mit den Kindern nach Hause kam, hielt ich vor versammelter Gemeinde einen feurigen Vortrag über die Gefahren des Alltags. Ich gebs zu: Es war auch Schadenfreude mit im Spiel. Denn gewöhnlich ist Zerstreutheit mein Fachgebiet. Ja, selbst wenn sich mein Sohn ganz unabhängig von mir den Halsspray in die Nasengänge hält und abdrückt, muss ich dafür geradestehen. Denn als genetische Ursache für derlei Missgeschicke komme immer nur ich in Frage. An jenem Abend war die Sache anders, die Beweislage klar – und Mami die Böse.

Abends bei Freunden – unser Babyphon stand beim Nachbarn und Götti auf Empfang – war die verbrannte Tomatensauce gegessen. Man muss sich ja auch mal zufriedengeben. Ich und meine Frau labten uns also gerade gut gelaunt an einer Grillwurst – letztmals waren wir vor vielen Wochen ohne Kinder aus –, da klingelte ihr Telefon. Ihr rapide ins Düster kippende Gesichtsausdruck verriet nichts Gutes. «Liv weint», meinte sie. «Tja, da soll der Götti mal seinen Pflichten nachkommen», meinte ich und zwinkerte gelassen mit dem Auge. Sie schüttelte nur den Kopf und zischte: «Er würde ja gerne zu ihr rein. Aber du Trottel hast die Wohnungstür abgeschlossen.» Upsi

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Ich schwang mich aufs Fahrrad und trat in die Pedale. Rauf auf den Hügel, runter vom Hügel. Fünf Minuten später stand ich an Livs Bett, schweissgebadet – sie übrigens auch –, und pfiff aus dem letzten Loch ein gehauchtes «Schlaf, Chindli, schlaf! De Papi isch es Schaf»

Eine halbe Stunde später war ich zurück und natürlich die Wurst am Grillfest. Die Moral von der Geschichte: Man soll die Frau nicht vor dem Abend tadeln.