Wenn der sechsjährige Marvin in Vollmontur auf dem Eis steht, wird ihm schon etwas heiss. Aber sicher ist sicher, findet seine Mutter. Isabel Staub hat die Ausrüstung für ihren Sohn bei den Eishockeyclubs Wallisellen und Dübendorf gemietet: Helm mit Gitter, Ellbogen-, Schienbein-, Brust- und Genitalschutz, Handschuhe, Hose, Stutzen und Trikot zu 100 Franken für die ganze Saison. «Ich weiss nicht, ob Marvin im nächsten Winter noch dabei ist, da hätte sich ein Kauf vielleicht nicht gelohnt.» Der Sechsjährige gehört nicht zu den kleinen Draufgängern, für die der Puck im Tor die Welt bedeutet. Es macht ihm einfach Spass, sich zusammen mit anderen Kindern zu bewegen - und da kommt er in der Hockeyschule voll auf seine Kosten. «Die Trainer lassen den Kindern ihren Freiraum», sagt Isabel Staub, «das Eishockey wird ganz spielerisch geübt.»

Ab vier Jahren sind Kinder in den Hockeyschulen der Klubs willkommen. «Sehr ehrgeizige Kinder kommen in diesem Alter», sagt Mark Wirz, Geschäftsführer der Schweizerischen Eishockey-Amateurliga. «Das braucht es auch für eine Eishockeykarriere.» Aber sechs Jahre sei ebenfalls ein gutes Anfangsalter, und mit der Postfinance-Trophy, einem landesweit durchgeführten Schülerturnier, versucht der Verband den sieben- bis zwölfjährigen «Quereinsteigern» diese Sportart schmackhaft zu machen. «Mädchen», so Wirz, «können sogar noch mit 14 beginnen und es auf ein gutes Niveau bringen, weil die Dichte an Spielerinnen nicht so hoch ist.»

«Schlüpferli» sind out
Auch die Eislaufklubs bieten Schlittschuhkurse an, zum Teil nehmen sie auch schon Kinder ab drei Jahren. Ob als künftiger Hockeystar oder Eisprinz oder ganz einfach zum lockeren Plausch in der Familie - die Anfänge auf den eisernen Kufen sind für alle gleich: Vorwärtsfahren, Rückwärtsfahren, Übersetzen.

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Die zweikufigen «Schlüpferli» zum Anschnallen gelten eher als Auslaufmodell. Heute gibt es auf den Eisbahnen überall Pinguin- und Eisbärfiguren oder andere Hilfsmittel, an denen sich die Kinder zur Not festhalten können. Also ruhig gleich in die richtigen Schlittschuhe, sobald die Kinderfüsse hineinpassen. Einige Marken bieten Schlittschuhe bereits ab Grösse 25 an. Zu gross sollten sie allerdings nicht sein, sonst rutschen die Kinder darin hin und her und finden nie einen sicheren Tritt auf dem Eis. Der Tipp von Rahel Schmid, Ressortchefin Sport beim Schweizer Eislaufverband: «Das Kind im offenen Schuh mit beweglicher Schuhzunge stehen lassen; wenn bei der Ferse nur noch wenig Spiel bleibt, so dass man mit dem Finger nicht mehr ganz hineinkommt, sitzt der Schuh gut.» Schmid rät bei einzelnen Besuchen der Eisbahn eher zur Miete als zum Kauf. Und wenn doch ein Kauf: Das Schleifen nicht vergessen! Einmal pro Saison sei es auf jeden Fall nötig.

Aber es muss ja nicht unbedingt Eislaufen sein. Der Winter bietet noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, sich draussen zu bewegen.

Curling: Ein Curlingstein wiegt 20 Kilogramm. Für Kinder gibt es kleinere Steine, die «nur» zehn Kilo wiegen. Aber keine Angst: «Man schwingt sie nicht mehr hinten hinauf wie früher», sagt Ursula Ramseyer von Swisscurling. Die Gefahr eines Rückenschadens wäre viel zu hoch, «deshalb bleibt der Stein auf dem Eis». Etwa mit sieben Jahren sind Kinder gross und kräftig genug für diese Sportart. Und allzu schwer zu lernen ist dieses «Boccia auf dem Eis» nicht: «Man kommt relativ schnell so weit, dass man den Stein ungefähr dorthin bringt, wo man ihn haben will», sagt Ramseyer. Die gewiefte Spieltaktik sei dann schon «höhere Schule».

Die meisten grösseren Curlinghallen bieten Anfängerkurse an. Nach Erlernen der Grundbegriffe lässt sich ein Rink (Spielfeld) auch von Nicht-Klubmitgliedern mieten - wenn der Spielbetrieb in «normalen» Bahnen verläuft. Spezielle Curlingschuhe sind nicht nötig, saubere Turnschuhe und warme Kleider reichen. Am vorderen Schuh, der auf dem Eis schleift, wird einfach eine rutschende Sohle montiert.

Eine Liste der rund 50 Curlinghallen und 20 Open-Air-Stationen finden Sie im Internet unter www.curling.ch/sca.

Skifahren: Unter den einheimischen Kindern im Engadin gibt es kaum eines, das mit drei Jahren noch nicht auf der Piste steht. Der Engadiner Skilehrerausbildner Andrí Poo von Swiss Snowsports ist allerdings skeptisch, ob das in jedem Fall gut ist: «Wenn ein Kind körperlich weiter ist und dadurch schneller lernt, macht ihm der Einstieg wahrscheinlich mehr Spass, als wenn es ständig umfällt und wieder aufgestellt werden muss.» Je nachdem kann es sich also lohnen, noch ein Jahr zu warten.

Egal, ob man den Nachwuchs in die Skischule schickt oder ihm die ersten Stemmbogen und Bremsmanöver selber beibringt: Hauptsache, es wird spielerisch angegangen. In den ersten Skikindergartenklassen machen die Kinder Spiele wie «Fangis» oder «De Fuchs gaat ume» und lernen so den ersten Umgang mit den Skiern im flachen Gelände. Wollen Eltern ihrem Kind das Skifahren selber beibringen, haben sie weniger Möglichkeiten und brauchen mehr Geduld.

Mit falschen Skischuhen machen allerdings auch die besten Spiele keinen Spass. Experte Andrí Poo rät, für kleine Kinder unbedingt auf möglichst niedrige und weiche Skischuhe zu achten. Leider seien solche auf dem Markt nicht so leicht zu finden. «Aber wenn ein Dreijähriges bis zum Knie im ‹Schraubstock› steckt, ist es erstens ohne Skier im weichen Schnee verloren, und zweitens wird die Motorik des Fuss- und des Kniegelenks gar nicht geschult», sagt Poo.

Snowboard: Beim Snowboarden ist der Einstieg deutlich anspruchsvoller als beim Skifahren. Seit es die etwa einen halben Meter langen «Snowskates» ohne Bindung gibt, auf denen die Kinder ein erstes Gefühl fürs Gleiten bekommen, ist die Altersgrenze zwar etwas hinuntergerutscht auf frühestens fünf oder sechs Jahre. «Zur Auflockerung im Snowboardunterricht sind diese Bretter sehr gut», sagt Skilehrerausbildner Andrí Poo. Die ersten Snowboardklassen richten sich jedoch an Sechs- bis Achtjährige. Dabei geht es weniger um die Kraft als um die Geduld, die die Kinder aufbringen müssen. Denn mit dem einen breiten Brett fällt man am Anfang doch deutlich öfter um als mit den zwei schmalen Brettern. Auch wenn das Snowboarden als cooler gilt - zuerst einmal mit den doppelten Latten anzufangen ist also gerade für die Kleinsten von Vorteil.

Langlauf: In koordinativer Hinsicht ist Langlauf viel förderlicher als Skifahren oder Snowboarden, «deshalb wäre es eigentlich am logischsten, damit zu beginnen», meint Schneesportexperte Andrí Poo. Beim Langlaufen hält einen nicht das steife Material aufrecht, sondern man muss selber die zentrale Gleichgewichtsposition finden. Ausserdem bieten die beweglichen Langlaufskier kleinen Kindern im Flachen noch viel mehr spielerische Möglichkeiten als Abfahrtsskier. Nur: Durchgesetzt hat sich diese Sportart bei Kindern noch kaum. Auch wenn sich Swiss Snowsports zum Ziel gesetzt hat, in Zukunft auch einen Langlaufblock in die Skilehrerausbildung einzubauen - bisher sind Kinder auf der Loipe höchst selten anzutreffen.

Schneeschuhlaufen: Um Kinder zu einer Wanderung mit Schneeschuhen zu bewegen, brauchen Eltern einiges an Überzeugungskraft. Doch es gibt durchaus Varianten, die Kindern Spass machen. Mit der Bahn auf den Berg hinauf und durch den Tiefschnee hinunter zum Beispiel. Da staunt auch die Jungschar über das sensationelle Gefühl, wie federleicht das geht. Ungefähr ab dem Schulalter können Kinder mit Schneeschuhen umgehen. Es gibt Schneeschuhe in Kindergrösse. «Wenn ein Kind aber noch zu klein ist, hat es schnell Mühe, mit den breiten Schuhen aneinander vorbeizukommen», erklärt Dani Müller, Leiter der Schneesportschule Braunwald. Und bitte: Aus Sicherheitsgründen nicht einfach auf eigene Faust losziehen! Für eine geführte Familientour von zwei Stunden ist mit etwa 150 Franken zu rechnen plus Schneeschuhmiete von zirka 20 Franken pro Person. Das ist zwar nicht billig, aber als Abwechslung zum auch nicht gerade günstigen Skipass doch einmal lohnenswert.

Schlitteln: Und zum Schluss noch das Einfachste: auf den Schlitten sitzen und losfahren. Es müssen ja nicht gleich 100 Kilometer pro Stunde sein wie in einer vereisten Rodel- oder Bobbahn. Schlitteln geht auch ganz gemütlich und ist somit zusammen mit einem Erwachsenen schon für Kleinkinder geeignet - aber nur wenn man die Strecke kennt. Denn der flachste Weg kann plötzlich in ein eisiges Steilstück münden, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Und bei allzu viel Tempo wird das nicht nur gefährlich, sondern es macht einem kleinen Kind normalerweise auch ganz und gar keinen Spass.

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