Hochnebel, die Bise bläst, es ist eisig kalt. Wer nicht raus muss, bleibt an diesem Morgen lieber drin. Denkste! Dick eingepackt, Prinzip Zwiebel, sitzt ein Dutzend Kinder an der Bushaltestelle Baldegg hoch über Baden AG und fiebert – was für ein Ausdruck bei dieser Kälte! – dem Tag im Wald entgegen.

Sie meisten wissen, was sie erwartet – und das ist «heiss», wie der vierjährige Elio aus dem schmalen Schlitz zwischen Rollkragenpulli und Mütze hinausblubbert. Seine Lippen haben die richtige Betriebstemperatur bereits verloren. Doch Elio ist hart im Nehmen. Zwar steckt fast alles von ihm in dicken Kleidern, seine Finger aber nicht. Ausgerechnet. Er sägt an einem Stück Holz. Schon vom Zuschauen kriegt unsereiner den Kuhnagel.

Ist dir nicht kalt? «Nein», sagt Elio knapp. «Und sonst kuscheln wir zusammen. Wenn ich kalte Finger habe, wärme ich sie beim Mittagessen am Feuer.» Spätzli und Würstchen, das wünscht er sich. Marc sitzt derweil auf einem Baumstrunk und spielt Lastwagenfahrer. «Ich komme gerne hierher», sagt er. Warum? – «Weiss nöd.» Und du, Sofie, wäre es nicht schöner, es wäre Sommer? – «Nein, dann gibts hier Zecken.» Ach so, na dann...

Warum man bei diesen Temperaturen gerne im Wald spielt, ist offenbar schlicht eine blöde Frage. Man muss sich ja nur umsehen. Zwei Kinder rutschen auf einer gefrorenen Pfütze, andere kauern vor dem Haus des Zwergs Malik – er gehört zur Gruppe wie Nagik das Eichhörnchen – und reichen ihm Nüsse, andere bauen Hütten aus Ästen und Laub. Kinder sind Kraftwerke. Energiebündel. Friert denn immerhin die Leiterin Myriam Pfammatter – ein bisschen wenigstens? Sie schmunzelt. Man sei schon bei minus 14 Grad hier gewesen, sagt sie. «Wir flüchteten dann in einen Kuhstall zum Aufwärmen.» Der Laie ist beeindruckt – und verabschiedet sich. Die Kälte hat sich im Mark von Fingern und Zehen festgebissen. Irgendwie fühlt man sich schnell zu alt für derlei Spässe – und das frustriert fast ein wenig.