Es ist vielleicht schon vorgekommen, dass Ihr Sohn vom Velofahren mit Papa in Gummistiefeln nach Hause kam, obschon draussen schönstes Sommerwetter herrschte. Und vielleicht trägt die Tochter ihre Socken immer dann verkehrt herum, wenn Papa-Tag ist und Ihr Mann die Kinder betreut.

Papa setzt halt andere Akzente in der Erziehung als Mama. Gemäss verschiedenen Studien geht es Müttern vor allem um das Feinmotorische sowie um sprachliche und soziale Kompetenzen. Sie schauen sich mit den Kindern Bücher an, singen Lieder, malen und backen Kuchen mit den Kleinen. Väter fühlen sich eher fürs Grobmotorische zuständig, balgen mit dem Nachwuchs herum, lassen Drachen steigen, bauen Hütten, spielen Ball. Beides hat seine Berechtigung. Da Väter ausserdem als männliche Vorbilder für Buben wie Mädchen wichtig sind, sollten sie auch Teil ihres Alltags sein.

Obwohl es etliche Eltern gibt, die sich die Kinderbetreuung teilen wollen, hapert es hie und da mit der Umsetzung - häufig wegen Vorurteilen über die Qualität der väterlichen Betreuung:

Vorurteil 1: Väter sind verantwortungsloser

Meist übernimmt vor allem die Mutter die Kinderbetreuung. Sie verbringt viel mehr Zeit mit den Kindern, in der etwas passieren kann. Aber Väter lieben es, mit den Kleinen herumzutoben - und da kann es schon mal Kratzer geben. Väter setzen auch andere Massstäbe als Mütter. Sie fühlen sich beim gemeinsamen Familienausflug eher als grosse Kinder und nicht als Aufpasser.

Tipp 1: Die Aufgaben neu verteilen; beim Picknick ist Mama fürs Feuer zuständig, derweil Papa sich um den Sonnenschutz für die Knirpse kümmert.

Tipp 2: Papa ist einmal wöchentlich mit den Kindern - ohne Mama - unterwegs.

Vorurteil 2: Väter können nicht mit Kleinkindern spielen

Sie können sehr wohl, tun sich aber schwer, wenn sie mit Babys und Kleinkindern spielen sollen. Einiges leichter fällt es ihnen, sich mit Kindern ab etwa fünf Jahren abzugeben, weil sich diese schon ausdrücken können und relativ selbständig sind.

Tipp: Papa fährt mit dem Zweijährigen per Velo, Postauto oder Zug in einen anderen Ort zum Einkaufen. So wird die Beziehung zwischen Vater und Sohn gestärkt. Darüber hinaus ist eine Reise an einen fremden Ort für Kinder lehrreich und interessant.

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Vorurteil 3: Väter gehen mit Kindern gröber um

Väter gehen mit ihren Söhnen gröber um als Mütter - so müsste es heissen. Etliche Untersuchungen beweisen das: Drückt man einem Mann ein Baby in die Arme und sagt ihm, es handle sich um ein Meitli, geht der Mann äusserst zärtlich mit dem Baby um. Sagt man ihm, es handle sich um einen Buben, ist der Mann oft weniger sanft. Väter haben mit Söhnen einen robusteren Umgang als Mütter. Für sie ist der Sohn, auch als Baby, ein kleiner Mann. Mädchen zu betüteln und Buben etwas gröber anzufassen macht jedoch wenig Sinn: Beide sind auf liebevollen und feinfühligen Umgang angewiesen. Und beide sind gerne wild, klettern, hüpfen und rennen.

Tipp: Kuschelritual mit dem Sohn, Herumtoben mit der Tochter - und umgekehrt!

  • Liebe Väter: Spielen und reden Sie mit den Kindern, damit Ihre Beziehung zu ihnen auch in der Pubertät stark ist und Sie ernst genommen werden.

  • Liebe Mütter: Übergeben Sie Ihre Kinder in die Obhut des Papas. Je öfter, desto besser. Nur die Übung kann aus Männern engagierte Väter und aus Frauen sorglosere Mütter machen.