Wenn Sie sich Marc interessiert und einfühlend zuwenden, werden Sie sicher erfahren, ob er mit seiner mittleren Stellung in der Geschwisterreihe Schwierigkeiten hat. Es wird sich auch zeigen, was Sie oder seine Brüder tun können, um seine Situation zu verbessern. Wahrscheinlich hilft es schon, wenn die ganze Familie etwas sensibilisiert ist und sorgfältiger mit ihm umgeht.

Gibt es das «Sandwichsyndrom» bei Kindern, die zwischen zwei anderen «eingeklemmt» sind? Spielt die Position in der Geschwisterreihe eine wichtige Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung? Hat sie Auswirkungen auf Erfolg und Zufriedenheit im späteren Leben? Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass keine eindeutigen linearen Zusammenhänge nachweisbar sind. Das liegt daran, dass die Kinder mit der vorgegebenen Struktur kreativ umgehen und sie je nach Begabung und spezieller Familiendynamik anders ausgestalten. Mittlere Kinder sind die geborenen Vermittler.

Zudem spielt das Erzieherverhalten eine wichtige Rolle. Gute Eltern versuchen nicht, alle Kinder genau gleich zu behandeln, sondern sie unterstützen oder bremsen sie individuell dort, wo es nötig ist. Die ältesten Kinder müssen zum Beispiel immer verarbeiten, dass sie mit der Geburt des nächsten entthront werden. Ihre Chance besteht darin, als Älteste Führungsqualitäten, Hilfsbereitschaft und Mut zu entwickeln. Die Jüngsten sind zumindest in Bezug auf Körperkraft immer die Schwächsten. Anderseits werden sie meist auch etwas verwöhnt oder verhätschelt. Oft entwickeln sie deshalb einen besonderen Charme, musische Fähigkeiten, Humor oder grosse Kreativität, um mit den Grossen mithalten zu können.

Möglicherweise ist es für ein mittleres Kind tatsächlich etwas schwieriger, eine eigene Identität zu finden. Gerade diese Herausforderung kann aber zum Antrieb für spezielle Leistungen werden. Manchmal bringt der Platz in der «goldenen Mitte» aber auch Vermittlerqualitäten hervor.

Grundsätzlich spielen Rivalität, Vorbild und Nachahmung eine wichtige Rolle im Geschwisterverhältnis. Es ist ein wichtiges Übungsfeld für soziales Verhalten. Leider wird seine Bedeutung für die erwachsene Persönlichkeit immer noch sehr unterschätzt, schreibt der Schweizer Psychologe Jürg Frick.

Geschwisterbeziehungen sind die dauerhaftesten Bindungen in unserem Leben. Wie tief die alten Muster sitzen, zeigt sich oft in den sprichwörtlichen Erbstreitigkeiten: Hinter den sachlichen Auseinandersetzungen um das ererbte Eigentum brodeln nicht selten die heftigen Gefühle aus der Kinderzeit und erschweren vernünftige Lösungen.

Anzeige