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Dekoration«Ich wähle immer den hässlichsten Baum»

Warum hat Kitsch an Weihnachten Hochkonjunktur? Und darf man sich auch ein Tüüfeli an den Baum hängen? Der Basler Weihnachtsschmuckhändler Johann Wanner weiss es.

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  • Beobachter: Warum dekorieren wir unsere Designerwohnung an Weihnachten so gern mit Glitzerkugeln und Lametta?
  • Johann Wanner: Das Weihnachtsfest rührt an ein Urgefühl. Der Brauch, den wir heute als Weihnachten bezeichnen, ist sehr viel älter, als uns die katholische Kirche weismachen will. Wir feiern am 24. Dezember nicht nur die Geburt Christi, sondern die Wintersonnenwende, den Tag, an dem die Tage wieder länger werden, die Natur von Neuem erwacht. Auch wenn wir heute längst nicht mehr so abhängig von der Witterung und den Jahreszeiten sind wie früher, ist das Bedürfnis, die Natur zu ehren, tief in uns verwurzelt.
  • Warum werden auch Rationalisten beim Anblick von Weihnachtsschmuck sentimental?
  • Das hängt wie alles im Leben mit der Kindheit zusammen. Was man als Kind erlebt und als gut befunden hat, will man als Erwachsener wiederholen. Darum wird das Dekorieren – rational betrachtet ungefähr das Unwichtigste der Welt – plötzlich ein Bedürfnis. Wir brauchen Emotionen, auch wenn uns heute all die technischen Geräte das Gefühl vermitteln, das Zusammensein mit Menschen, der direkte Kontakt sei überflüssig.
  • In Ihrem Sortiment finden sich Tüüfeli und Bierhumpen. Ist eigentlich alles erlaubt?
  • Bevor man sich Tabus auferlegt, soll man die Gründe dafür genau prüfen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir die Natur feiern, dann wäre es doch falsch, gewisse Aspekte des Lebens auszuklammern. Die Natur ist vielfältig und archaisch.
  • Gibt es Trends beim Weihnachtsschmuck?
  • Natürlich! Weihnachtsschmuck zu entwerfen hat viel mit Modedesign gemein. Es gibt die klassischen Farben Rot, Blau, Grün, Silber, Gold. Dann gibt es Mode­farben. Dieses Jahr dominieren Grüntöne. Grün beruhigt, das ist heute wichtig.
  • Gibt es auch Farben, die nicht gehen?
  • Neonfarben würde ich nicht wählen. Das mag im Sommer an einer Badehose lustig wirken, in einer Weihnachtsstube sind sie zu aufdringlich, zu wenig festlich. Seit einigen Jahren entwerfe ich aber auch schwarze Kugeln. Sehr zurückhaltend, sehr schön. Ich liebe sie.
  • Wer bestimmt in der Regel, was an den Baum kommt, die Frau oder der Mann?
  • Wenn ich das quantitativ beantworten müsste, dann die Frau. Frauen kaufen häufiger und mehr ein. Qualitativ haben die Männer die Nase vorn. Wenn ein Mann den Weihnachtsschmuck aussucht, macht er das, wie soll ich sagen, schon fast professionell. Er zelebriert das, kauft ganz gezielt ein.
  • Trifft Sie das, wenn jemand sagt, dass Sie Kitsch verkaufen?
  • Überhaupt nicht. Von Kitsch rede ich, wenn sich jemand mit Dingen umgibt, die nicht zu ihm passen. Auch ein hippes Architekturheft kann kitschig sein, wenn es bei jemandem nur rumliegt, damit es der Besuch sieht. Wenn meine alte spanische Tante einen röhrenden Hirsch über dem Bett hängen hat, dann ist das nicht Kitsch. Kitsch entsteht, wenn es eine Dissonanz gibt zwischen dem Besitzer und dem Besitz. Wann das der Fall ist, kann nur jeder für sich entscheiden.
  • Womit schmücken Sie Ihren Weihnachtsbaum?
  • Wenn ich einen Baum dekoriere, nehme ich mir ganz viel Zeit. Der Akt des Dekorierens ist mindestens so wichtig wie das Resultat. Man muss die Theatralik des Rituals zelebrieren, die passende Musik wählen, den passenden Moment. Ich wähle in erster Linie Stücke aus meinem Fundus, den ich seit meiner Kindheit pflege. Jedes einzelne Stück erzählt eine Geschichte. Eine aus dem wahren Leben. Das ist besser als Kino.
  • Wie wählen Sie den Baum?
  • Persönlich mag ich Rottannen. Ich wähle immer die hässlichste, bei mir hat das Tradition. Wenn ich früher tanzen ging, habe ich auch immer jene Mädchen aufgefordert, die kaum Chancen hatten. Wenn der Tanz gelang, war die Freude doppelt so gross. So ist das auch mit den Bäumen. Den krummsten zum schönsten zu machen ist eine Herausforderung. Wenn das gelingt, strahlt der Baum.

Da war er jung, erfolgreich und noch nicht für Skandale bekannt: Boris Becker 1994 an den Thriftway Championships, Cincinnati, Ohio

Lieber Boris Becker

In schöner Regelmässigkeit scheinen Ihnen schöne Frauen den Verstand zu rauben. Wenns dumm geht, nicht nur den. Wir wissen alle noch, was vor ein paar Jahren in einer Londoner Besenkammer geschah: «Samenraub» nannte es die Boulevardpresse. Doch diesen Sommer sollte Schluss sein mit dem Lotterleben: Mit der Tochter Ihres ehemaligen Managers wollten Sie sich binden und wieder eine Familie gründen. Leider bliebs beim Wollen. Das Eheversprechen hielt nur 83 Tage. Also etwa so lange, wie in der Regel die Hormone verrücktspielen.

«Boris und die Frauen», schrieb die Regenbogenpresse hämisch, «das klappt nicht.» Und Sie selber liessen sich von der Zeitschrift «Bunte» zitieren, dass Sie froh wären, wenn Ihnen mal jemand die Liebe erklären könnte. Als ob Sie sich damit nicht auskennen würden. Was war denn das mit Ihrer Babs, mit der Sie lange verheiratet waren? Was anderes als die schnellen Nummern, mit denen Sie in den letzten Jahren Schlagzeilen machten, oder?

Wie Sie wissen, braucht es für eine Affäre bloss ein paar blubbernde Hormone und manchmal eine rosa Brille. Liebe verlangt aber nebst Erotik die Bereitschaft, sich auf Freundschaft einzulassen: Erst Respekt, Vertrauen, Verständnis, Zuneigung, Verlässlichkeit und Interesse am Leben des anderen lässt die Liebe wachsen und hält sie am Leben. Deshalb mein Rat: Verwechseln Sie einen Flirt oder eine Liebelei nicht mit der grossen Liebe. Ansonsten werden Sie enttäuscht und frustriert von einer zur andern hetzen.

Das wünsche ich Ihnen nicht. Stattdessen Glück in der Liebe und alles Gute.


Herzlich, Ihr Walter Noser

Veröffentlicht am 18. Dezember 2008