Vergangenen Herbst griff die Schulleitung durch: Lausrazzia. Vier Spitexschwestern durchkämmten einen Morgen lang die Haare von 175 Primarschülern des Schulhauses Au/Erle in Brugg AG. Zehn Kinder wurden nach Hause geschickt, weil sich auf ihren Köpfen Läuse tummelten. Erst nach drei Tagen und einer weiteren Kontrolle durften die betroffenen Schüler in ihre Klassen zurückkehren.

«Der Schulausschluss war eine harte Massnahme. Es ging dabei nicht um die Schüler, wir wollten den Eltern zeigen, dass sie unsere Anweisungen ernst nehmen müssen», sagt Schulhausleiterin Marta Neukom. Vorher hatte das Lehrerteam ein halbes Jahr lang gegen die Lausepidemie gekämpft, Aufrufe gemacht, Merkblätter verteilt. «Es nützte nichts, weil nicht alle Eltern mitmachten», erklärt Neukom. Viele Eltern waren zwar dankbar, dass endlich etwas geschah, doch das rigorose Durchgreifen stiess auch auf Kritik.

Thomas Steffen etwa hält nichts von Schulausschlüssen. «Einen Lausbefall bemerkt man erst nach einigen Wochen, bis dann hat das Kind bereits andere angesteckt», so der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes der Stadt Basel. «Läuse gehören heute zum Schulalltag. Wer Kinder hat, muss sich früher oder später mit den Parasiten beschäftigen.» Eine Elternbefragung in Basel aus dem Jahr 2005 bestätigt diesen Befund: Innerhalb eines Jahres hatte jedes vierte Schulkind Läuse.

Resistent gegen Chemie
Die Krabbeltiere haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sie fühlen sich auf gepflegten Köpfen genauso wohl wie auf ungepflegten. Läuse übertragen keine Krankheiten, sie fliegen oder springen auch nicht, sondern wandern von Kopf zu Kopf - immer dann, wenn Kinder ihre Köpfe zusammenstecken, was vor allem im Primarschulalter oft geschieht.

«Läuse sind ein Freundschaftszeichen», sagt Hilde Schöll. Die ehemalige Lehrerin ist als sogenannte Laustante seit Jahren verantwortlich für rund 1000 Kinderköpfe in Romanshorn TG und Umgebung. Jeweils zwei Stunden braucht sie für eine Schulklasse: Mit zwei verschiedenen Kämmen, einem Laus- und einem Nissenkamm, durchsucht sie akribisch alle Kinderhaare und manchmal auch noch diejenigen der Mütter. «Der Kamm sieht mehr als die Augen», sagt die 61-Jährige. «Ich empfehle bei Lausbefall als einzige Massnahme das konsequente Kämmen mit einem guten Nissenkamm, zum Beispiel dem «Licemeister», und die Affenmethode, also das Entfernen der Nissen - der Lauseier - mit den Fingernägeln.» Von chemischen Entlausungsmitteln hält die Fachfrau wenig: «Ich habe bei jedem Lausshampoo nach der Behandlung noch lebendige Läuse gefunden. Die Biester sind resistent gegen diese Mittel.»

Der Basler Schularzt Steffen ist ähnlicher Meinung: «Das durchschlagende medikamentöse Lausmittel gibt es bis heute nicht.» Zwar existierten neuartige Mittel auf verschiedensten Wirkungsebenen, doch deren Wirksamkeit sei nicht immer genügend mit Studien belegt.

Schulausschluss zeigt Wirkung
In Basel läuft jetzt eine Kampagne, die Eltern die Panik vor Läusen nehmen soll. «Lausepidemien führen zu erheblicher Unruhe: Eltern setzen Lehrer unter Druck, etwas zu unternehmen. Viele Schulen sind dann überfordert», sagt Steffen. Ein Besuch der Laustante könne in solchen Fällen wohl die Gemüter beruhigen, doch die Parasiten ausrotten könne man damit nicht.

Dafür braucht es Eltern, die konsequent, diszipliniert und gründlich die Läuse und Nissen aus den Kinderhaaren entfernen. Wie das funktioniert, erklärt die Ärztin Sandra Leonhardt auf der Homepage www.kopflaus.ch. «Es geht vor allem darum, den Lebenszyklus der Läuse zu unterbrechen», sagt die Spezialistin, deshalb sei die wiederholte Behandlung über mehrere Wochen hinweg nötig. Egal, ob man den Parasiten mit Chemie zu Leibe rücken wolle oder nicht, das manuelle Entfernen der Läuse und Nissen gehöre immer dazu. «Um das Kämmen der Haare kommt niemand herum», so Leonhardt.

Das haben jetzt auch die Eltern der Schüler in Brugg bemerkt. Seitdem bei einem Lausbefall der Schulausschluss droht, finden sich auf den Kinderköpfen weniger Läuse. «Wir haben Erfolg: Die Eltern sind jetzt aufmerksamer und lassen es kaum mehr so weit kommen, dass ein Kind daheimbleiben muss», so Schulhausleiterin Neukom. «Die Regeln und Abläufe sind klar, das hat uns alle beruhigt.»

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So rücken Sie Läusen zu Leibe

Läuse? Keine Panik. Folgende Tipps von Laustante Hilde Schöll, Schularzt Thomas Steffen und der Ärztin Sandra Leonhardt helfen, Läuse fernzuhalten oder nachhaltig zu bekämpfen:

  • Unerlässlich ist das regelmässige Kämmen: einen Monat lang zweimal wöchentlich Läuse und Nissen mit einem speziellen Lauskamm entfernen. Die Behandlung ist frühestens dann abgeschlossen, wenn Sie während zweier Wochen keine Läuse mehr im Kamm haben.
  • Wenn Sie auf dem Kopf nur Nissen finden, dann reichen regelmässige gründliche Haarkontrollen mit einem Lauskamm.
  • Chemische Lausmittel sind nur dann nötig, wenn Sie lebendige Läuse gefunden haben. Bei wiederholtem Befall müssen Sie das Lausshampoo wechseln, die Läuse könnten resistent sein.
  • Auch wenn es oft anders zu lesen ist: Es ist unnötig, die Wohnumgebung speziell zu reinigen. Es ist überflüssig, Stofftiere einzufrieren oder die Bettwäsche zu wechseln. Konzentrieren Sie sich auf den Kopf, nur dort überleben die Läuse.
  • Eine eigentliche Prävention gibt es nicht. Kämmen Sie die Haare Ihres Kindes wöchentlich mit einem guten Nissenkamm durch. So können Sie einen Lausbefall frühzeitig erkennen und mit geringem Aufwand behandeln.
  • Informieren Sie Schule und Eltern von Kameraden, dass Läuse die Runde machen, und animieren Sie sie, die Haare zu kontrollieren: Nur so kann man der Ausbreitung der Kopfläuse wirkungsvoll entgegentreten. Hilfreich ist auch, lange Haare zusammenzubinden und Haarbürsten nicht auszutauschen.