Der siebenjährige Levin schaut glücklich unter seiner «Dächlichappe» hervor. Eine gute Stunde hat der Bub gebraucht, um aus Holz und Schnüren seinen Wunschtraum von einem «Chlättergrüscht» als Modell zu bauen.

Levins Modell entstand in der Gestaltungswerkstatt «Kinder planen mit» an der Zürcher Hammerstrasse. Partizipation heisst der Fachbegriff dafür und meint das, was den Erwachsenen in vielen Lebensbereichen längst zusteht: Mitbestimmung.

Ganz anders bei Kindern und Jugendlichen: Gemäss einer neuen Studie von Unicef Schweiz konnten bisher erst sieben Prozent ihre Wünsche und Erfahrungen einbringen, wenn es um Projekte wie Spielplätze oder die Umgebung eines Schulhauses ging. «Diese Tatsache», so die Studie weiter, «steht im Widerspruch zum lebhaften Interesse und dem Gestaltungswillen der Kinder und Jugendlichen.

Jugend gilt oft als Störfaktor
Philipp Oechsli, Leiter der Fachstelle Partizipation bei der Stiftung Pro Juventute, ist überzeugt, dass die Beteiligung der Jugend auch den Erwachsenen nützt: «Kinder, die etwas bewirken können, sind auch als Erwachsene motiviert, unsere Demokratie mitzugestalten.» Doch allzu oft würde die Jugend eher als Störfaktor gesehen.

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Wie schwierig es ist, die Erwachsenen zugunsten der nächsten Generation zu mobilisieren, erfuhr Ute Herrmann vor einem Jahr: Die Mutter der vierjährigen Nora suchte Gleichgesinnte, die den alten Spielplatz in ihrer Nachbarschaft unter Einbezug der Kinder neu gestalten wollten. Nur eine Mutter meldete sich bei ihr.

Doch Ute Herrmanns Einsatz lohnte sich: Schliesslich konnte auch die Leiterin eines nahen Horts für die Idee gewonnen werden. Und bei Megaphon, dem Zürcher Projekt zur Förderung von Kinder- und Jugendpartizipation, holten sie sich Unterstützung für die Planungswerkstatt und die Koordination mit der Stadtverwaltung.

Kinder verteidigen ihre Ideen
Laut Philipp Oechsli schützt die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen allerdings nicht vor Frustrationen: «Häufig lassen sich die Erwachsenen vom kindlichen Optimismus anstecken und machen unrealistische Versprechungen.»

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Diese Falle versucht die Planungswerkstatt an der Hammerstrasse zu umgehen, indem sie auf die Überzeugungskraft der Kleinen setzt: Die Kinder stellen sich die Spielplatzmodelle, die sie gebastelt haben, gegenseitig vor – mit Hilfe eines Mikrofons, wie sie es einige Tage später auch vor den Verantwortlichen der Stadt tun werden. Dort wird dann Levins Klettergerüst im harten Wettbewerb stehen mit dem Röhrengang von Milena, dem Weidenhäuschen von Simone und Isabelles Gebüschlabyrinth – ganz wie bei den Erwachsenen.