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NachwuchsJetzt reden die Väter

Die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind ist unbestritten. Doch was ist mit den Vätern? Wie verändern Kinder ihr Leben, was fühlen sie? Und werden ihre Leistungen überhaupt genügend honoriert?

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Daniel Beriger, 50 Jahre, Musiker, zwei Töchter, 13 und 8:

«Durch die Kinder hat sich mein Augenmerk wieder auf die Dinge gerichtet, die auch in meiner Kindheit ganz im Vordergrund standen: Natur, Tiere (auch aus Stoff), Spiele, Lieder und volles Aufgehen in der jeweiligen Beschäftigung. Dazu kam die Sorge um ihr Wohlergehen.»

Gregor Thoma, 42 Jahre, Grafiker, ein Sohn, 10, zwei Töchter, 5 und 3:
«Mit der Liebe zu meiner Frau und der Geburt meines ersten Sohnes wurde meine Odyssee beendet. Auf meiner Suche nach Liebe und Abenteuer erreichte ich den Hafen der Geborgenheit. In Sachen Lustprinzip und Spontaneität bin ich kürzergetreten, dafür verliess mich mein hartnäckiger Partner ‹Einsamkeit›».

Markus Bertschi, 37 Jahre, Fotograf, ein Sohn, 1,5:
«Die Bereicherung: Mit dem Kind entdecke ich die Welt neu. Die Verantwortung: Sie zu übernehmen heisst für mich, umzudenken und oft die Pläne anzupassen. Die Emotion: grosse Freude.»


Frank Blass, 45 Jahre, Hausmeister, eine Tochter, 1:
«Seit meine Tochter da ist, bin ich gelassener im Umgang mit Problemen. Meine Tage sind ausgefüllter. Ich habe mich definitiv vom Punk-Lebensmotto ‹No future› verabschiedet und auch vom Schulden-‹Bäumli› in der ‹Meyer’s›-Bar in Zürich. Dafür mache ich neue Erfahrungen wie die, dass ein Nachmittag im Zoo mehr Spass bringt als ein Nachmittag im neuen Letzigrundstadion.»

Thomas Huber, 45 Jahre, Wirtschaftsprüfer, zwei Töchter, 9 und 6, ein Sohn, 4:
«Mit Kindern wurde das Leben zu einer emotional aufwühlenden Berg-und-Tal-Fahrt. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.»

Philipp Meier, 41 Jahre, Direktor, ein Sohn, 4, eine Tochter, 1:
«Mein Alltag mit Kindern ist verplant(er).»

41 Jahre, Journalist, zwei Töchter, 13 und 1,5. Er wird Ende Mai zum dritten Mal Vater:
«Meine Kinder haben mich sensibler und ängstlicher gemacht. Ich habe auf Bergen plötzlich Höhenangst, Respekt vor dem Lehrerberuf und erinnere mich vermehrt und mit Schrecken an meine eigene Kindheit. Ich bin anderseits wieder Kindskopf, kenne mittlerweile ein enormes Repertoire an Märchen und Kinderliedern - und habe das Glas Rotwein nach 21 Uhr schätzen gelernt.»

Oliver Bono,

Hanspeter Lussi, 49 Jahre, Informatiker, zwei Söhne, 12 und 9:
«Grundsätzlich wurde ich wohl meiner Freiheiten beraubt, seit wir Kinder haben. Was sich umso schlimmer anfühlt, je älter man ist (ich war 37, als ich Vater wurde).»

Erwin Scharrer, 71 Jahre, Uniprofessor, zwei Söhne, 39 und 36:

«Schön wäre es, wenn meine Kinder einst über mich sagen würden: ‹Er hat uns nicht daran gehindert, zu uns selbst zu finden.›»


Jürg Ryser, 37 Jahre, technischer Fachspezialist SBB Energie, zwei Söhne, 6 und 4,5:
«Seit die Kinder da sind, kann ich wieder Dinge tun, die ich als Erwachsener allein nicht mehr machen ‹durfte›: Bäche stauen, auf Bäume klettern, Fragen stellen und über kleine Dinge im Alltag staunen.»


Thomas Lips, 53 Jahre, kaufmännischer Angestellter, zwei Söhne, 16 und 14:
«Wenn ich erwähne, dass ich ‹hauptberuflich› Hausmann bin, folgt stets das grosse Staunen. Vordergründig anerkennt man(n) durchaus, dass ich das mache, aber es ist spürbar, dass sich nur wenige vorstellen können, diese Rolle selber zu übernehmen. Viele Männer haben keine Ahnung, was es heisst, sich um Kinder zu kümmern.»

Kurt Brüschweiler, 46 Jahre, Schulsozialarbeiter und Mediator, zwei Söhne, 16 und 14:
«Abgesehen von einzelnen Mitmenschen, die es toll finden, dass ich mein Leben bewusst mit zwei Jungs und ihrer Mutter partnerschaftlich teile, finden meine Leistungen als Vater keine Anerkennung.»

Stefan Brunnschweiler, 38 Jahre, Rechtsanwalt, zwei Töchter, 5,5 und 8 Monate, ein Sohn, 3,5:
«Ich möchte meinen Kindern Geborgenheit und Vertrauen geben, sie ihren Weg gehen lassen und da sein, wenn sie mich brauchen.»


Horst Blum, 72 Jahre, selbständiger Kaufmann, ein Sohn, 40, eine Tochter, 36:
«Ich hoffe, unsere Kinder sind uns heute dankbar, dass wir sie nicht im Modetrend der siebziger und achtziger Jahre ‹antiautoritär› erzogen haben.»

Rolf Hösli, 39 Jahre, Redaktionsleiter, zwei Söhne, 7 und 5:
«Ob meine Leistungen als Vater honoriert werden? Und wie! Wenn beide Jungs jeden Mittag und Abend strahlend zur Tür rennen, um mir in die Arme zu springen - das ist unbezahlbar.»

Elmar Mühleder, 39 Jahre, Kommunikationsberater, eine Tochter, 5 Monate:
«Bei meiner Tochter reicht schon ein Lächeln, ein fröhlicher Gluckser oder ein friedliches Einschlafen auf meinem Arm, und ich fühle mich ausreichend ‹entlöhnt›. Was jedoch meine Rolle als unverheirateter Vater innerhalb unserer Gesellschaft betrifft, gäbe es noch genügend Spielraum, um wirklich zufriedenstellende Rahmenbedingungen zu schaffen. Man braucht schon ein dickes Fell, um emotional unbeschadet durch den Prozess der Anerkennung der Vaterschaft, des gemeinsamen Sorgerechtsantrags und dergleichen zu kommen.»

Martin Brown, 37 Jahre, Ökonom, zwei Töchter, 3 und 1:
«Es ist interessant, wie man von Gleichaltrigen oft sogar ‹bewundert› wird, wenn man als Vater für seine Kinder da ist, auch schwierige Aufgaben übernimmt und den Kleinen quasi einen ‹All-inclusive-Service› bietet.»


Veröffentlicht am 11. April 2008