Der Obhutsentzug macht in der Schweiz weniger als zehn Prozent aller Kindesschutzmassnahmen aus und kommt pro Jahr in rund 500 Fällen zur Anwendung.

Die Aufhebung der elterlichen Obhut, die eine Fremdplatzierung des Kindes gegen den Willen der Eltern ermöglicht, umschreibt Art. 310 ZGB. Dabei handelt es sich um einen schweren Eingriff ins Familien- und Privatleben im Sinne von Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Für den Vollzug des Vormundschaftswesens sind die Gemeinden zuständig. So entscheiden häufig Laienbehörden nach Feierabend über das Schicksal von Kindern und deren Familien.

«Wenn Laien dazu neigen, ihre eigene Lebensweise zum Massstab zu nehmen, kann das in gewissen Problemsituationen verheerend sein», bilanziert Christoph Häfeli, einer der profundesten Kenner des Kinderschutzsystems der Schweiz, Mitautor des Vorentwurfs zur Revision des schweizerischen Vormundschaftsrechts und Mitglied der beratenden Expertenkommission.

Die Revision sieht vor, dass künftig professionelle interdisziplinär zusammengesetzte, unabhängige und regionale Fachbehörden das Sagen haben.

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