Findet die Zukunft statt? Und wenn ja, wie? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Menschheit seit Urgedenken und oft mit Schaudern. Denn Ungewissheit macht Angst.

Beruhigende Antworten auf seine bangen Fragen sucht und findet der Homo sapiens überall: im Kaffeesatz und in Teeblättern, in Schafseingeweiden, in Handflächen, in Spielkarten, in Flug, Gekrächze oder Gedärmen von Vögeln, im Münzwurf oder im Bleigiessen und natürlich in den Horoskopen der Boulevardpresse.

Doch bei allem «Gwunder»: Propheten und Astrologen geniessen bei Herrn und Frau Schweizer geringe Glaubwürdigkeit, wie eine repräsentative Umfrage des Beobachters zum Thema Prognosegläubigkeit zeigt. Astrologen rangieren mit 19 Prozent in der Glaubwürdigkeitsskala zwar vor religiösen Propheten, belegen aber dennoch nur den zweitletzten Platz. Ähnlich schlecht schneiden nur die Politiker ab. Die Volksvertreter schaffen eine Glaubwürdigkeit von lediglich 22 Prozent.

Dafür schaut das Alpenvolk furchtlos und tapfer in die nähere Zukunft: Stolze 41 Prozent der Befragten glauben, dass das kommende Jahr eher respektive viel besser wird als 2004. Positives von 2005 erwarten vor allem die 15- bis 54-Jährigen.

Ein weiterer Drittel erwartet zwar keine Verbesserung, fürchtet sich aber auch nicht vor einer Verschlechterung. Und nur gerade sieben Prozent befürchten, dass alles schlimmer wird. Da die Einschätzung der persönlichen Gesundheitsentwicklung massgeblich dazu beiträgt, ob die Prognose optimistisch oder pessimistisch ausfällt, gehören in die Kategorie der Zweifler viele Menschen über 65.

Sterndeuter gucken in den Mond


Allen Unkenrufen zum Trotz sind die Pessimisten also in der Minderheit – von flächendeckender Zukunftsangst kann keine Rede sein. Die mangelnde Zukunftsangst dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass die Astrologie nur mässigen Zulauf erfährt. Fast die Hälfte der vom Beobachter Befragten behauptet, praktisch horoskopabstinent zu leben. Nur acht Prozent geben an, ihr Horoskop immer zu lesen. Weitere neun Prozent konsultieren die einschlägigen Rubriken in den verschiedenen Presseerzeugnissen und im Internet «häufig».

Zwar liessen sich 28 Prozent der Horoskopleser schon ein persönliches Horoskop erstellen. Doch selbst in dieser Kategorie glauben nur fünf Prozent, dass sich die Zukunft anhand der Konstellation der Himmelskörper voraussagen lässt. Weit über die Hälfte zweifelt grundsätzlich an der Zuverlässigkeit stellarer Prognosen.

Glaubwürdigkeit ist im Vorhersagebusiness das A und O. Das haben mittlerweile sowohl die Ökonomen als auch die grossen und kleinen Sternchen der helvetischen Sterndeuterei gemerkt. Erstere revidieren ihre Prognosen spätestens alle drei Monate. Und Madame Etoile und Co. lassen sich kaum mehr zu verbindlichen Aussagen hinreissen. Zu bitter die Häme, die die Presse alljährlich über diejenigen Auguren giesst, die unvernünftigerweise im Laufe des Jahres Konkretes abgesondert haben. Wie etwa Elizabeth Teissier, Hofastrologin der «Schweizer Illustrierten», die den Sternen unzweifelhaft entnommen haben wollte, dass bei den US-Wahlen John Kerry das Rennen machen würde.

Gutes Wetter für Meteorologen


Während Astrologen und Propheten mit solchen Fauxpas die Gunst des Schweizer Volkes nicht erringen können, schwimmt die Gattung der Wetterfrösche ganz obenauf. 75 Prozent der Befragten schenken ihnen Glauben. Mit grossem Rückstand immerhin noch auf Platz zwei schaffen es die Wirtschaftsauguren. Sie erreichen eine Glaubwürdigkeit von 39 Prozent.

Auch wenn ungläubige Thomasse und Thomasinen die Astrologie belächeln, lässt sich etwas Gutes über die Sternligläubigen sagen. Sie tragen ihr Scherflein zum oben erwähnten Schweizer Zukunftsoptimismus bei: Horoskopleser sind, wenn schon nicht zwingend besser über die Zukunft informiert, dann ihr gegenüber wenigstens positiver eingestellt. Wer Horoskope liest, so die Umfrage, glaubt eher an eine bessere Zukunft. So machen Astrooptimisten 45 Prozent derjenigen Schweizer aus, die am 31. Dezember mit freudiger Erwartung und dem Glauben an eine bessere Zukunft ins 2005 rutschen.

Diejenigen, die den Sternen keine Wahrsagerkräfte zubilligten, erwarten hingegen für 2005 eher eine Verschlechterung. Ihre negativen Zukunftserwartungen ziehen die Miesepeter insbesondere aus den Prognosen der Wirtschaftsauguren – und aus den Medien.

Quelle: Zefa Blueplanet