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ScheidungMutter Natur zuvorkommen

Ist eine Frau bei der Geburt ihres Kindes noch nicht geschieden, gilt rechtlich der Ehemann als Vater – ist er es nicht, eilt das Verfahren.

Wenn es eilt, geht immer alles doppelt so lang. Im Fall von Karin Brunner (Name geändert) war das tatsächlich so: Im Juli 2003 sollte ihr Kind, das sie von ihrem neuen Partner erwartete, zur Welt kommen. «Ich wollte bis zum voraussichtlichen Geburtstermin unbedingt geschieden sein», so Brunner. Denn kommt ein Kind während einer Ehe zur Welt, gilt gemäss Gesetz der Ehemann als Vater des Kindes – selbst wenn alle wissen, dass er es nicht ist. Er muss dann seine Vaterschaft gerichtlich anfechten. «Diesen Mehraufwand und die zusätzlichen Kosten wollten wir vermeiden», sagt Brunner.

Deshalb hatten sie und ihr Ehemann bereits im Juni 2002 beim zuständigen Gericht die Scheidung verlangt. «Eine einfache Sache», dachte Karin Brunner damals, «wir hatten ja keine Kinder und waren uns über alles einig.» Drei bis sechs Monate dauert es in solchen Fällen, bis ein Ehepaar geschieden ist.

Karin Brunner und ihr Mann staunten daher nicht schlecht, als das Gericht ihnen Mitte November 2002 mitteilte, die Scheidungsverhandlung sei am 15. April 2003 – mehr als neun Monate, nachdem sie das Scheidungsbegehren gestellt hatten.

Dass eine Frau bei der Scheidung bereits von einem neuen Partner schwanger ist, kommt immer häufiger vor. Roland Schmid, Richter am Bezirksgericht Zürich, führt dies vor allem auf die heute noch geltende Trennungsfrist von vier Jahren zurück, bis eine Scheidung gegen den Willen des einen Ehegatten möglich ist. Oft gelangen die Ehegatten auch relativ spät ans Gericht, weil sie sich gar nicht bewusst sind, dass der Ehemann als Vater des Kindes gilt, wenn sie noch nicht geschieden sind – und dann eilt es plötzlich.

Karin Brunner versuchte mehrere Male, einen früheren Gerichtstermin zu erhalten – vergeblich. Der Termin stehe fest, sie sei nicht die Einzige, die sich scheiden lassen wolle, erklärte ihr die Kanzlei des Richteramtes Olten-Gösgen. Mit der zuständigen Richterin konnte sie gar nicht erst sprechen.

700 Franken unnötige Gerichtskosten
Pikantes Detail: Bereits im Beobachter-Gerichtstest vom Juni 2001 hatte sich dieses Richteramt als «Schneckengericht» entpuppt. Dort räumt man denn auch ein, eine Zeit lang relativ grosse terminliche Probleme gehabt zu haben. Doch in der Zwischenzeit sei reorganisiert worden.

Karin Brunners Sohn kam trotzdem zur Welt, bevor sie gültig geschieden war. Darum galt ihr künftiger Exmann als Vater des Kindes. Erst ein Gerichtsverfahren bestätigte letztlich, was alle längst wussten: dass er nicht der Vater ist. Karin Brunner aber blieben, bedingt durch das langsame Scheidungsverfahren, Kosten von 700 Franken – «Geld, das ich zweifelsfrei sinnvoller hätte ausgeben können».

Verfahren beschleunigen

  • Sträubt sich Ihr Ehemann gegen die Scheidung? Erläutern Sie ihm, dass er in diesem Fall als Vater des Kindes gilt und deshalb – unter anderem – auch unterhaltspflichtig ist.
  • Versuchen Sie, die Nebenfolgen der Scheidung – insbesondere Unterhalt, Pensionskassenausgleich – einvernehmlich mit Ihrem Mann zu regeln.
  • Sagen Sie dem zuständigen Richter, dass das Verfahren eilt.
  • Bitten Sie das Gericht, Ihr Begehren speditiv zu behandeln. Dazu gehört, dass Sie alle Unterlagen, die das Gericht verlangt, rasch beschaffen und einen allfälligen Kostenvorschuss sofort zahlen. Das Gericht soll die zweimonatige Bedenkfrist unmittelbar nach Ihrer Anhörung ansetzen und Ihnen das Urteil umgehend nach Eingang Ihrer Bestätigungsschreiben zustellen. Sie und Ihr Mann verzichten darauf, Rechtsmittel zu ergreifen.
  • Falls die Geburt vor der Scheidung ist: Sorgen Sie für klare Verhältnisse zwischen Ihnen und Ihrem getrennt lebenden Ehemann. Bestanden keine sexuellen Kontakte mehr zu ihm und bestätigt Ihr neuer Partner, der Vater des Kindes zu sein, ist im Anfechtungsprozess kein Gutachten nötig. Dieser verläuft somit rascher und ist billiger.
Veröffentlicht am 03. März 2004