Am liebsten würde der elfjährige Moritz allein mit dem Bus zu seinem Freund Kevin fahren. Zu zweit haben sie den Weg schon oft zurückgelegt, doch seine Mutter findet, allein sei das Umsteigen auf die andere Buslinie zu gefährlich. «So ein Mist», denkt sich Moritz und ist genervt, dass seine Mutter ihn mit dem Auto bringen will. «Wenn sie mich weiterhin wie ein Kleinkind behandelt», sagt er sich, «bleibe ich am besten gleich zu Hause. Warum bloss trauen mir meine Eltern so wenig zu?»

Es ist zwar verständlich, dass Moritz’ Mutter ihren Sohn vor Gefahren bewahren will. Und doch ist es wichtig, Kindern etwas zuzutrauen. Die Balance zwischen Fürsorge und Loslassen zu finden ist - zugegeben - schwierig, doch der Versuch lohnt sich: Eigene Erfolgserlebnisse helfen den Sprösslingen, Selbstvertrauen und Selbständigkeit zu entwickeln. Dabei ist es wichtig, dass die Kinder auch aus Fehlern lernen. Ein aufmunterndes «Trau dich, auch wenn es danebengeht» ist allemal besser als übertriebene Ängstlichkeit. Denn überbehütete Kinder verlieren die Lust, eigene Aktivitäten zu entwickeln, sind entmutigt und werden später leicht untergehen in den «Stürmen des Lebens».

Damit sich Ihr Kind zu einer mutigen Persönlichkeit entwickelt, braucht es neben Aufmerksamkeit und Zuwendung auch Förderung und Ansporn. Dabei sind es nicht nur die grossen Abenteuer, die Kindern Mut machen. Es sind ebenso die kleinen, aber wirksamen Ermunterungen und die alltäglichen Vertrauensbeweise, die ihnen zeigen: «Meine Eltern trauen es mir wirklich zu.»

Das Kind ernst nehmen

Solche scheinbar nebensächlichen Gesten sind zum Beispiel die folgenden:

  • Heben Sie kleine Erfolge hervor und greifen Sie kleine Fehler als Gelegenheit auf, aus denen Ihr Nachwuchs etwas lernen kann.
  • Stärken Sie die Eigenverantwortung Ihres Kindes, indem es etwa sein Velo, das sich das Nachbarskind geborgt hat, selbst zurückfordert.
  • Brauchen Sie die Zauberformel: «Ich vertraue dir.» Sie kann kleine Wunder bewirken.
  • Lachen Sie Ihr Kind nicht aus oder verspotten es gar, wenn es etwas falsch gemacht hat.
  • Nehmen Sie die Meinung Ihres Kindes ernst, auch wenn Sie sie nicht teilen. Sätze, die mit «Findest du nicht auch...?» beginnen, sind ein guter Ansatz, um im Gespräch zu bleiben.
  • Lassen Sie Ihr Kind an Entscheidungen teilhaben. Wenn es an der Gestaltung des Gartens mitarbeitet oder die Farbe des neuen Sofas mit aussuchen darf, fühlt es sich akzeptiert.
  • Fördern heisst fordern. Geben Sie nicht zu schnell auf, wenn Ihr Kind sich etwas nicht zutraut. Haben Sie Geduld, wenn es sich etwa in der Badi vor dem Sprung ins Wasser scheut.
  • Je mutiger Sie selbst bei schwierigen Aufgaben vorgehen, desto eher wird sich auch Ihr Kind zutrauen, eigene Erfahrungen zu machen.
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