Mein Mann war beruflich viel unterwegs, ich dementsprechend selbstständig. «Du bist eine starke Frau», hat er oft zu mir gesagt. Als ob er geahnt hätte, dass er mich nicht bis zum Ende unseres Lebens begleiten würde. Vor knapp drei Jahren kam er von einer Bergtour nicht zurück. Herzversagen, dabei war er sportlich und ausgeglichen. Es war ein unfassbarer Schock für mich. Zwei unserer drei Kinder standen noch in der Ausbildung.

Die Beerdigung mit 500 Personen stand ich fast nicht durch. Drei Wochen lang bemutterten mich danach meine Kinder und deren Freunde rund um die Uhr. Stets war unser Haus voller Leute. Es war rührend. Doch ich spürte, dass das nicht die Realität ist. Ich musste herausfinden, was mein Leben nun war. Während die Kinder wieder ihrer Arbeit und dem Studium nachgingen, begab ich mich als Witwe unter Leute. Einige im Dorf wunderten sich, dass ich so früh rausging. Ich ignorierte das. Ich trug auch nie Schwarz. Ich brauchte Farben, um nicht unterzugehen.

Verletzt hat mich die Reaktion mancher befreundeter Paare, die sich von mir zurückzogen. So sind Freundschaften weggebrochen, neue kamen aber dazu. Mit Menschen, die mich nun nur als Einzelperson kennen. Vier Monate nach dem Tod meines Mannes machte ich eine Reise, die wir noch gebucht hatten. Zuerst wollte ich nicht, aber der Abstand tat mir gut.

Ich begriff, dass ich auch ohne meinen Mann die gleiche Person bleibe. Das gibt mir Kraft. Heute kann ich von mir aus auf Menschen zugehen: Ich weiss, dass es vielen schwer fällt, das Thema anzusprechen. Ich beschloss, dankbar zu sein für die Zeit, die wir gemeinsam hatten. Aber jeder Mensch muss gehen, und die Zurückgebliebenen müssen weiterleben.

Ich habe mir dann einen Hund gekauft, weil ich an schlechten Tagen nicht aus dem Schlafrock kam. Er hilft mir nun, meinen Tag zu strukturieren. Mit Freiwilligenarbeit habe ich nie aufgehört. Im Moment zehre ich von den Erinnerungen und setze mir ein Ziel: was wir früher zusammen gemacht haben, allein zu tun. Ob jemals ein neuer Partner zu meinem Leben gehören wird, daran will ich heute nicht denken.

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