Der Brief des St. Galler Sozialamts an die vier Kinder des verstorbenen Xaver Kuster beginnt mit Worten des Beileids. Doch dann wird darauf hingewiesen, dass ihr Vater zwischen 1971 und 1974 knapp 6000 Franken Sozialhilfe bezogen, aber nur 1500 Franken zurückbezahlt habe. Nun sei es an den Erben, den restlichen Betrag zu überweisen.

Xaver Kusters Kinder sind bass erstaunt: «Wir wissen nichts von finanziellen Problemen unseres Vaters», sagt Tochter Rita Hunziker-Kuster. Die Eltern hätten sich zwar zur Decke strecken müssen, doch der Lohn des Vaters habe stets gereicht. Die Erbin wundert sich: «Weshalb fordert die Sozialbehörde das Geld erst 30 Jahre später zurück, wenn wirklich eine Schuld bestanden hat?»

Die Verantwortlichen des Sozialamts rechtfertigen das aussergewöhnliche Vorgehen: Die Verjährungsfrist betrage 15 Jahre ab Inkrafttreten des neuen Sozialhilfegesetzes Anfang 1999. Im Fall Kuster sei aus diesem Grund eine maximale Frist von 40 Jahren (1974 bis 2014) möglich – schweizweit ein absoluter Spitzenwert.

Eigenartig: Weshalb Xaver Kuster damals Sozialhilfe verlangt hatte, kann die Behörde nicht mehr eruieren, weil seither «verschiedene Verbuchungssysteme eingeführt» worden seien. Fest steht: Das späte Eintreiben der Schuld muss das St. Galler Sozialamt auf seine Kappe nehmen – bei einem angenommenen Zinsfuss von drei Prozent ging innerhalb von 30 Jahren ein Zinseszins von gegen 6300 Franken verloren.

Quelle: Nik Hunger