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FreiwilligeneinsatzAusflug mit Einblick

Nach dem Schul- oder Lehrabschluss nichts wie weg und die Welt entdecken – davon träumen viele. Eine Möglichkeit sind Sozialeinsätze: Sie stillen den Reisehunger und geben dazu berufliche Einblicke.

Abenteuer war genug dabei. Und an Nervenkitzel mangelte es auch nicht, als Patricia Lehner sich letztes Jahr mit einer Machete durch den Urwald Mittelamerikas schlug, wo es von Schlangen und Insekten nur so wimmelt. Doch was vor allem hinzukam, war der Lerneffekt: «Ich bin viel selbstsicherer geworden», sagt die heute 22-Jährige. Lehner hat weder bei einer Survival-TV-Serie mitgemacht, noch ist sie unterwegs in Not geraten. Die KV-Absolventin lebte ein Jahr lang in Costa Rica und leistete diverse Einsätze als freiwillige Helferin. Unter anderem bahnte sie im Dschungel Wege für künftige Forschungstätigkeiten. Auf diese Weise hat sie ihre Reise- und Abenteuerlust befriedigt. Aber sie sammelte auch Pluspunkte für ihre berufliche Zukunft. «Wer einen Sozialeinsatz leistet und sich in fremde Kulturen integriert, hat bei künftigen Arbeitgebern einen Bonus», ist Béatrice Stucki von Intermundo, dem Schweizerischen Dachverband zur Förderung von Jugendaustausch, überzeugt. Freiwillige Einsätze in fernen Ländern zeugen von Durchhaltevermögen, von der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, von Flexibilität und Offenheit für andere Kulturen: alles Kompetenzen, die in der Arbeitswelt ebenso gefragt sind wie gute Noten. Wenn sich nach dem Lehrabschluss oder der Maturafeier das Reisefieber meldet, muss die berufliche Laufbahn also nicht zwingend Pause machen. Wer in Südafrika verwaiste Antilopen pflegt oder in Honduras Strassenkinder betreut, kann Fähigkeiten erwerben, die sich irgendwann auszahlen – das Angenehme verbindet sich mit dem Nützlichen.

Das können Zeno Freudiger, 33, und Muriel Berger, 23, bestätigen: Der Primarlehrer unterrichtete ein Jahr lang in Ghana, und die Informatikstudentin tingelt immer wieder für kurze Einsätze durch die Welt. «Lebensschule im Schnellverfahren», nennt Muriel Berger diese Erfahrung, die sie dringend zur Nachahmung empfiehlt.

Wer es wagen will, hat die Qual der Wahl. In der Schweiz gibt es zahlreiche Organisationen, die Sozialeinsätze und Berufspraktika vermitteln oder Plätze in Workcamps für Jugendliche ab 18 Jahren anbieten. Viele dieser Organisationen arbeiten nicht gewinnorientiert, einige hingegen schon. Wer sicher gehen will, sollte sich vorher gut informieren. Unterschiedlich sind auch die Preise. Meist muss man mit 400 bis 800 Franken pro Woche rechnen. Darin inbegriffen sind in der Regel die Kosten für Unterkunft und Essen, nicht aber die Hin- und Rückreise. In vielen Fällen gelangt ein Teil des bezahlten Geldes direkt an das jeweilige Projekt. Die Organisationen helfen bei der Beschaffung der Visa, sorgen für die Unterkunft, informieren über Land und Leute, geben Impfempfehlungen und andere wichtige Tipps. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA macht auf aktuelle Reisehinweise aufmerksam und bietet mit der Rubrik «Leben im Ausland» weitere Informationen für ausgewanderte Schweizer. Die Vorbereitungszeit ist je nach Zielort unterschiedlich lang. «Mit drei bis vier Monaten muss man aber mindestens rechnen», sagt Béatrice Stucki von Intermundo.

Weitere Infos

Buchtipp

Norbert Winistörfer: «Ab ins Ausland! Im Ausland leben, reisen, studieren, arbeiten» - wer länger ins Ausland will, findet hier alles Wissenswerte. 5. Auflage, 2003, 432 Seiten, Fr. 39.80

Veröffentlicht am 24. März 2006