Was braucht das Kind, damit es zufrieden und selbstvergessen im Freien spielt? Eine Schaukel, eine Rutsche, einen Kletterturm oder am besten alles zusammen? So manches Elternpaar hat angesichts dieser Fragen die Qual der Wahl.

Um den Garten im Frühling kindgerecht einzurichten, locken in vielen Auslagen allerlei Spielgeräte aus Kunststoff. Diese sind rasch und unkompliziert im Kombi verstaut: ein Spielhäuschen da, eine grüne Sandkastenschildkröte dort. Doch die spontane Einkaufstour bringt den Kindern nur selten etwas und schon gar nicht, was sich die Eltern erhofft haben. Was anfänglich schön und bunt leuchtet, verliert oft schnell an Attraktivität. Die Lebensdauer solcher Minianlagen ist meist kurz.

Kinder sollen beim Aufbau mithelfen
Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens wachsen Kinder schnell und so wird ihnen die anderthalb Meter kurze Rutsche bald langweilig. Zweitens sind viele dieser Spielwaren zu wenig stabil. Ist das Plastikteil erst einmal zerstört, ist der billige Preis nachträglich ein schlechter Trost.

«Solches Spielzeug ist oft mehr für Innen- und weniger für Aussenräume gedacht», erklärt Manfred Engel, Architekt von der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung. Mit anderen Worten: untauglich. Meistens ebenso untauglich ist der Versuch der Eltern, ihren Kindern ein vorgefertigtes Spielparadies vorzusetzen. Den Spielplatz im Freien empfiehlt Philipp Oechsli, Leiter des Bereichs «Umfeld» bei Pro Juventute, selber zu gestalten, am besten zusammen mit den Kindern. Denn: «Kinder sind forschend und möchten die Umgebung erkunden», erklärt Oechsli.

Manfred Engel ist derselben Ansicht: «Die Bedürfnisse der Kinder sind abzuklären.» Auf einer Rutschbahn oder Schaukel kann Geschwindigkeit getestet werden. Das Kind erfährt, was es heisst, sich ungebremst zu bewegen, und erlebt die erste Lektion Physik in der Praxis. Ein Sandkasten hingegen ist ein ruhiges Gerät. Hier geht es darum, das Material zu begreifen: Sand, Wasser, Holz, Steine. Ideal sei, meint Engel, wenn das Kind mit allen vier Elementen – Luft, Erde, Wasser und Feuer – Bekanntschaft schliessen könne.

Wer ein Spielgerät kauft, sollte darauf achten, dass es aus Holz oder aus rezyklierbarem, stabilem Material ist. Denn spätestens wenn die Kinder dem Spielalter entwachsen sind, stehen die Eltern sonst vor einem Entsorgungsproblem. Beim Kauf sollte man unbedingt nachfragen, wie viel Platz das Gerät insgesamt benötigt: Eine 2,5 Meter hohe Schaukel braucht eine Ausdehnung von 8 Metern. Eine Wiese oder ein Platz von 20 bis 30 Quadratmetern sollte dafür schon vorhanden sein.

Spielgeräte für den eigenen Garten müssen zudem die Sicherheitsnorm SN EN 71-8 erfüllen. «Die meisten Unfälle sind Sturzunfälle», erklärt Manfred Engel. Kleine Unfälle lassen sich zwar nicht vermeiden. Doch die Geräte sollten die Sicherheitsnorm erfüllen, denn Verletzungen an Kopf oder Rücken können bleibende Schäden zur Folge haben.

Wer Spielzeug für den Garten kaufen will, sollte bedenken, dass die Geräte nur während vier bis acht Jahren genutzt werden. Danach vergrössern die Kinder ihren Lebensraum bis ins Teenageralter fortlaufend. Für diese Altersklasse sind Basketball und Tischtennis attraktiver als eine Schaukel. Diese wird von den Halbwüchsigen höchstens noch als Treffpunkt für ein abendliches Schwätzchen genutzt.

Gute Spielplätze müssen nicht unbedingt teuer sein: Ein Sandhaufen, zwei grosse Klettersteine, ein paar Baumstrünke oder ein Schlammloch sind sehr attraktiv für Kinder und lassen ihnen viel gestalterischen Freiraum. So kann im Frühling ein Spielraum für wenig Geld aufgefrischt werden. «In einer Siedlung kann man sich sehr gut zusammentun und Aussenräume gemeinsam gestalten», rät Philipp Oechsli von Pro Juventute. Welche Spielgeräte man auch immer auswählt – alle sind besser als ein blanker, kurz geschorener, eingezäunter Rasen. Denn damit können Kinder gar nichts anfangen.

Quelle: Archiv
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